Junge Leser

Bjarne Reuter: Prinz Faisals Ring

https://images-na.ssl-images-amazon.com/images/I/416NImHEWUL.jpgKaribische Inseln, 17. Jahrhundert. Der junge Tom Collins, halb irisch, halb spanisch und mit feuerrotem Haar, macht sich vom kleinen Eiland Nevis auf in die große Welt, um sein Glück zu machen und vielleicht Ruhm, aber auf jeden Fall Reichtum zu erwerben.
Doch mit dem schnellen Geld läuft es nicht ganz so, wie Tom sich das vorgestellt hat…

Immer dann, wenn Toms Lage so richtig verzwickt ist, lässt Reuter einen Gecko auftauchen, halb real, halb imaginiert, so genau weiß man es nicht. Und dieses mysteriöse Seelentier zwingt den zu Beginn so sorglosen und reichlich auf sich selbst fixierten Helden unbarmherzig zur Reflexion: Was hast du jetzt wieder angestellt? Zufrieden?

Es geht eben, bei allem, was Reuters großartige Erzählkunst zu bieten hat, um den Leser gekonnt in Atem zu halten – Haifisch-Jagden, fabulierende Schiffbrüchige, weissagende Hexen, Sklavenhändler, Piraten und Orkane auf hoher See – um noch viel mehr als das bunte Abenteuer mit karibischem Touch. „Prinz Faisals Ring“ ist ebenso spannender Abenteuer- wie kluger Entwicklungsroman, der immer auch davon erzählt, was Toms Erlebnisse in ihm auslösen, wie sie ihn verwandeln und von einem naiven, unreflektierten Jungen zu einem erwachsenen und gefestigten Menschen machen.

Folgerichtig setzt sich die Handlung nicht nur aus märchenhaft-abenteuerlichen, sondern auch aus nur allzu realitätsnahen Elementen zusammen. Der Sklavenhandel blühte im 17. Jahrhundert, und Reuter lässt seinen jungen Helden zumindest zeitweise eine Rolle darin spielen: Mangels Alternativen heuert Tom als Aufseher auf einer Plantage an. Und was er dort sieht und erlebt, wird ihn fast die eigene Seele kosten – aber er wird auch, im Gegensatz zu seinen abgestumpften Kollegen, erfahren, dass er in der Tat noch eine besitzt, und bei allem Risiko fürs eigene Leben nicht gegen sie handeln kann.

Damit bezieht Reuter indirekt auch Stellung in der Frage nach Geschlechterrollen und vorbildhaftem männlichen Verhalten. Sein Held Tom mag auf klassisch männliche Weise wild und mutig sein, aber er ist auch mitfühlend, sensibel und nimmt einiges auf sich, um andere zu retten. Auf klischeehaft männliche Weise nichts an sich herankommen zu lassen, das haben bei Reuter die Bösen für sich gepachtet – beinahe teuflisch „cool“ etwa wirkt der Oberaufseher der Plantage, der als eine Art Mentor von Tom agiert.

Die Guten dagegen, und das gilt für die männlichen ebenso wie für die weiblichen Figuren, zeichnen sich dadurch aus, eben nicht unbewegt zu bleiben von dem, was sie erleben. Ob also ein arroganter weißer Junge auf der Suche nach dem großen Geld gemeinsam mit einem Schwarzen reisen und sich dabei eingestehen muss, dass schwarz nicht schlechter ist als weiß, ob ein finsterer Piratenkapitän Schiffbrüchigen hilft und widerstrebend sein weiches Herz entdeckt – Reuter lässt sie, und den Leser, vor allem eines erkennen: Was wir tun, sehen, erleben, ob großes Abenteuer oder stiller Moment, es verändert uns, und das ist richtig so.

Prinz Faisals Ring: Ganz großes, ergreifendes Kino.

Bjarne Reuter: Prinz Faisals Ring
ISBN-13: 9783794148004
18,00 Euro.
491 Seiten.
Sauerländer.

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