Bücher zur Lage, Bloß nicht!, englisch, erzählend, reihenweise

American Dreams (3): Lauren Weisberger: Last Night at Chateau Marmont

 Last Night at Chateau Marmont Paperback by Lauren WeisbergerHe was there, he was taking charge, and she was just so happy to follow his lead.

Um herauszukriegen, wie sich Bestseller vom Chick-Lit-Typ dieser Tage mit Themen wie „Männer“,“Liebe“ und „Work-Life-Balance“ auseinandersetzen, kann man, zum Beispiel, bei Lauren Weisbergers Romanen starten. Und es dann so richtig mit der Angst bekommen. Aber eins nach dem anderen.
Man kennt Weisberger vorrangig von ihrem ersten großen Erfolg „The Devil wears Prada“ . Seitdem versorgt sie ihre Leserinnen verlässlich mit Variationen des Themas „Auf der Suche nach Mr. Right und/oder mir selbst“.

„Last Night“ setzt, fürs Genre eher unkonventionell, erst nach der Heirat ein – das glückliche Paar hat sich bereits gefunden. Nun wird es von Weisberger einem perfiden Stresstest, nämlich dem ebenso plötzlichen wie durchschlagenden Erfolg, ausgesetzt: Zu Beginn leben Brooke und Julian noch arm, aber relativ glücklich in einem kleinen Apartment in Manhattan. Sie, vernünftig, arbeitet in zwei Jobs gleichzeitig, um ihn, den Träumer, der Musiker werden möchte, zu unterstützen. Dann wird sein Traum plötzlich wahr, und die beiden sehen sich nach der ersten Euphorie mit der hässlichen Seite der Berühmtheit konfrontiert: Noch weniger Zeit füreinander als früher, Paparazzi lauern vor dem Wohnblock, das Privatleben wird von der Klatschpresse seziert.

Als billiges chick flick lässt sich das nicht ohne weiteres abtun, dazu ist „Last Night“ zu sorgfältig recherchiert (Weisberger führt uns souverän in Fernseh-Studios und hinter die Kulissen der Grammy-Verleihung) und mit seinem Arsenal aus glaubhaft fiesen wie sympathischen Charakteren sowie einem solide konstruierten Spannungsbogen (Routine etablieren, Routine brechen, größtmögliche Katastrophe, Rückzug und Umkehr, Neubeginn) der durch seinen Mangel an Überraschungen für angenehm einlullendes Bestseller-Feeling sorgt, auch zu gut gemacht. Sogar ein Happy End kriegt Weisberger noch hin für ihr glamour-gebeuteltes Pärchen, komplett mit Heiratsantrag, oder zumindest einer Variante davon.

Trotz diesem end macht „Last Night“ aber trotzdem nicht so richtig happy. Offen gesagt: Es ist zum Fürchten.

Zum einen liefern Bestseller offenbar schon längst keinen Stoff mehr, aus dem Träume sind. Inzwischen signalisieren sogar sie, sogar im bonbonrosa chick lit-Genre, dass es für Männer wie für Frauen heutzutage nichts mehr gibt, worauf man sich noch freuen könnte.

Nicht auf die Liebe und das gemeinsame Leben: Weisbergers Hauptfiguren arbeiten sich fast zu Tode, kauen an horrenden Studienschulden – in den USA in der Tat eine schreckliche Belastung für junge Absolventen – und haben einander anscheinend nur gefunden, um abends gemeinsam statt alleine über einem Teller Billig-Pasta ins Koma zu fallen.

Nicht auf die Erfüllung eines Lebenstraums: Wer bei „Rockstar“ in Richtung „Almost famous“ denkt, wird hier eines Besseren belehrt. Rockstar ist kein Ponyhof. Geld wie Heu mag man ja kriegen. Aber während die Klatschpresse hässlich lacht, lösen sich Privatleben wie -sphäre binnen weniger Stunden in Nichts auf.

Und als Frau hat man sowieso verloren. Ein paar entspannte Szenen unter Freunden und bei ihrer Mutter darf die Heldin aus „Last Night“ genießen. Ansonsten aber regiert, sieht man genauer hin, die nackte Angst.

Angst vor dem eigenen Ehemann, mit dem guten Sex zu haben man die Pflicht hat, und auf dessen Vorlieben sogar die eigene Nachtcreme abzustimmen ist. Angst, zu dick (im Sinne von: zwei Kilo zuviel gleich „downright unacceptable“) falsch angezogen, falsch frisiert, schlecht geschminkt zu sein. Und das Bitterste: Angst vor anderen Frauen. Solidarität auf weiblicher Seite fällt „Last Night“ im Traum nicht ein. Die Heldin hat, auch aus dramaturgischen Gründen natürlich, als Gegenüber eine fast wie in Grundschulzeiten innig beste Freundin, der sie alles, alles erzählt, und diese eine Freundin darf klug, schön und stets von attraktiven Männern umgeben sein. Alle anderen Frauen, sogar die Schwiegermutter, sind tickende Zeitbomben im Konkurrenzkampf um Schönheit und den einen Kerl unter Millionen.

Eine Mutter, bei der man sich ausheulen, und eine Freundin, die man wegen ihres Erfolgs bei Männern und ihrem tollen Aussehen hassen würde, wenn sie eben nicht die allerbeste Freundin wäre – es verwundert nicht, dass die weibliche Heldin, wie engagiert sie auch im Laufe des gesamten übrigen Romans dafür plädiert haben mag, ihre Karriere weiterzuverfolgen und den Erfolg des Ehemanns eben nicht als den eigenen zu sehen, bei so viel Stress gegen Schluss nur zu bereit ist, eben diesem erschöpft in die Arme zu sinken und sich von seinem Geld ein Haus kaufen zu lassen. Der Rest ist Heulen.

Last Night in Chateau Marmont: Low fat, decaf, no sugar.

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3 Gedanken zu „American Dreams (3): Lauren Weisberger: Last Night at Chateau Marmont“

  1. Irgendwie lese ich gern diese Anti-Rezensionen, die sind so schön sarkastisch 😀
    ChickLit ist meiner Meinung nach sowieso das Unwort des Jahres (des Jahrzehnts?), es klingt einfach genauso hässlich, wie die meisten Bücher aus diesem „Genre“ tatsächlich sind.

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    1. Hallo Bücherbombe, wow so viele aufmerksame Kommentare! Ich danke sehr dafür.
      Lustig, dass du dich zuerst durchs „Bloß nicht“ gelesen hast:-) Aber ich finde auch: Verrisse machen durchaus Spaß. Zu lesen ebenso wie zu schreiben. So gesehen, ist es fast schade, dass viele Buch-Blogger sich vor allem als Vertreter von „finde ich total toll, müsst ihr auch lesen“ verstehen.
      Falls du noch eine Negativ-Empfehlung parat hast, gib sie gerne weiter – hab ich wieder ne Gelegenheit für eine Anti-Rezension:-)
      Herzliche Grüße,
      die Flocke

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      1. Ich finde auch, lobende Rezensionen sind zwar nett, aber auf die Dauer einseitig – man muss auch ab und zu mal Anti-Rezensionen schreiben, sonst wird es langweilig. Und außerdem ist man sonst irgendwann nicht mehr glaubwürdig 😀
        Wenn wir gerade beim Thema sind: „Was gewesen wäre“ von Gregor Sander fand ich spektakulär unspektakulär. Ich hab das ganze Buch lang darauf gewartet, dass endlich mal was passiert. Aber nein, alle Ereignisse, die hätten spannend werden können, wurden übersprungen. Hat mich total verrückt gemacht (im negativen Sinne). xD

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