jede Menge Nagellack
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Der Weg als Frau an die Spitze

Neulich las ich ein Interview mit einer Unternehmerin namens B. aus den USA, die durch Herstellung und Vertrieb von Nagellack sehr reich geworden ist.

Leider stand das Interview in einer Frauenzeitschrift, es war also nicht mit Ratschlägen in Bezug auf eigenen Reichtum zu rechnen. Vielmehr sollte die menschliche Seite dieser Unternehmerin zum Zuge kommen, der Weg als Frau an die Spitze, so etwas.Es ging dann aber vorwiegend um Ernährungsfragen, zumindest am Anfang, wo Mrs B. eingestand, „gerne“ Kohlenhydrate zu essen. Das kam mir irgendwie komisch vor, aber ich kam nicht drauf, warum. Dann kriegte ich Hunger und musste mir erstmal Pasta mit Käsesoße kochen.

Ein Klumpen Käse kleckerte mir dann beim Weiterlesen auf Mrs B.’ s nächste Aussage: Sie habe, um schlank zu bleiben, die von ihr eigentlich so heißgeliebten Kohlenhydrate von ihrem Speiseplan streichen müssen, ja, leider, denn vor allem Croissants trieben ungeheuer auf, von weiterem Weißbrot gar nicht zu reden.

Ich schlürfte meine Spaghetti, und Mrs B. tat mir leid mit ihrem strengen Speiseplan, der ihre Lebenserwartung sicherlich drastisch reduzieren würde. Ich nahm mir vor, in den nächsten Monaten sämtliche Traueranzeigen aus New York mit erhöhter Aufmerksamkeit zu studieren und dabei auf Worte wie „Kohlenhydrate“ und „verhungert“ verstärkt zu achten.

Wer wohl nach ihr die Leitung dieses Nagellack-Konzerns anträte? Ob dort aus Respekt für Mrs B. fortan besondere Regeln gelten würden, wie etwa ein breadless Friday, oder ein Verbot, innerhalb des Firmengeländes Worte wie „Brot“ oder „Kuchen“ laut auszusprechen?

Ob die Arbeitnehmerinnen in diesem Konzern das auf die Dauer wohl mit sich machen ließen? Aber Kündigung ist ein großer Schritt in diesen unsicheren Zeiten, und „freitags durfte man kein Brot essen“ als Kündigungsgrund, da hat man es auf den Sozialämtern auch nicht leicht.

Und schließlich hat ja eine sinnfreie Arbeitsstelle durchaus ihren Reiz! Man kann ganz großartig passiven Widerstand leisten. In Gedanken an Mrs B.s‘ brotlosen Konzern fiel mir sofort einiges ein:

Alle schicken aus jedem Urlaub Postkarten mit Croissant-, Tortilla- oder Schwarzwälder-Kirschtorten-Motiv an die Kollegen ins Büro.

Ein großes Feature über Marie Antoinette, Überschrift „Jenseits von Brot und Kuchen“, clever getarnt als Auftakt einer Reihe „Stilikonen – damals und heute“!

Ganz zufällig das Märchen von Hänsel und Gretel im Kopierer liegen lassen!

Wagemutige Freunde zu einem Flashmob vor dem Konzern überreden, bei dem Brot gegessen wird, stundenlang!

Zu Weihnachten keine Geschenke mehr – sondern eine Spende an Brot für die Welt!

Begeistert schleckte ich die letzte Käsesoße.

Womöglich ließe sich mit solchen Ideen sogar reich werden: Die Gründung eines exklusiven Start-Ups mit einem maßgeschneiderten Angebot für Arbeitnehmerinnen: „Guerrilla Baking“ oder „Lasst uns auch den Kuchen essen – passiver Widerstand am Arbeitsplatz“. Buchbar im Komplettpaket, Rechtsbeistand im Bedarfsfall inklusive.

Ha! Der Weg an die Spitze stand mir offen.

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