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John Reynolds Gardiner: Steinadler

Willys Großvater ist krank. Tag für Tag bleibt er einfach im Bett liegen, ohne sich zu rühren, ohne zu sprechen. Erst als im Auftrag des Staats Wyoming einer von den „Stadtgecken“, wie der Großvater sie immer nennt, vor der Tür steht, das Lächeln dünn, die Zigarre dick, und 500 Dollar Steuernachzahlung fordert, versteht Willy den Grund dafür. 500 Dollar, sonst ist die Farm weg, auf der sie leben, Willy, der Großvater, und die treue Hündin Spürnase.

Ein Glück, dass es Spürnase gibt. Mit ihr zusammen kann Willy die Felder der Farm umpflügen, oder zum Vergnügen stundenlang mit dem Schlitten durch den Tiefschnee Wyomings sausen, schneller als alle anderen.

Da wird in der Stadt ein Schlittenhunderennen ausgeschrieben, offen für jeden, der es sich zutraut. Preisgeld: 500 Dollar.

Wäre da nur nicht Steinadler, der riesige, schweigsame Indianer. Auch er hat sich fürs Rennen angemeldet, und auf den Farmen der Umgebung tuscheln sie, dass er bisher noch nie verloren hat …

Von Anfang an hat man als Leserin das Rätsel zu lösen, weshalb das Buch „Steinadler“ heißt und nicht nach Willy benannt ist oder nach der tapferen Spürnase. Die gesamte Handlung ist letztlich der Weg, oder besser das Schlittenhunderennen, hin zur Lösung dieses Rätsels.

Das Rennen selbst läuft für Willy erstmal ganz prima. Er ist leicht mit seinem Ein-Mann-Schlitten, den Spürnase, obwohl nicht mehr die Jüngste, mühelos ziehen kann. Er kennt die Strecke in- und auswendig. Steinadler, ohnehin erstaunlich langsam, lässt er weit hinter sich.

Aber als die Ziellinie schon in Sicht ist, holt Steinadler plötzlich auf. Der langsame Start war Strategie. Jetzt plötzlich zeigt er, was er kann, und überholt die anderen, „als stünden sie still“. Der Abstand zwischen ihm und Willy wird kleiner und kleiner.

Willy weiß, denn das wissen alle, dass Steinadler seine Rennen fährt, um vom gewonnenen Preisgeld Land für seine Leute von den Weißen zurückzukaufen.

Aber Steinadler weiß auch, warum Willy mitfährt: Eines Abends erwischt er den Jungen dabei, wie der sich neugierig an seine kostbaren Schlittenhunde heranschleicht, und haut ihm ohne ein Wort ganz gewaltig eine runter. Der Junge, vom Schlag noch ganz benommen, versucht sich gleichermaßen zu erklären wie zu entschuldigen: Ich mache auch bei dem Rennen mit, Mr. Steinadler, und ich muss gewinnen, weil sie uns doch sonst die Farm wegnehmen … Tut mir leid, Mr. Steinadler, dass wir nicht beide gewinnen können.

Aber sind Steinadler und Willy wirklich Gegner? Für beide hat das Rennen nichts mit sportlichem Ehrgeiz und alles damit zu tun, sich gegen eine Welt zu behaupten, die einem die Zähne zeigt – weil man wehrlos und noch ein kleiner Junge ist, oder weil man wehrlos und ein Indianer ist. Steinadler und Willy haben einiges gemeinsam.

Als es zur Katastrophe kommt im Tiefschnee vor der Ziellinie, beweist Steinadler, dass er das weiß. Und zugleich löst Gardiner das Rätsel um den Titel des Buchs. Und nein, es wäre einfach zu schade, jetzt zu verraten, wie es ausgeht.

John Reynolds Gardiner: Steinadler.
ISBN: 978-3-473-52026-8
128 Seiten.
5, 99 €
Ravensburger Buchverlage.

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