Übersicht, englisch, erzählend

Robert Galbraith: The „Strike“-Series

Krimis waren noch nie so meins. Und die Krimi-Reihe von Joanne K. Rowling aka Robert Galbraith um den privaten Ermittler Cormoran Strike und seine tüchtige Assistentin Robin wird das leider auch nicht ändern.

Wobei ein paar Dinge ja auch durchaus klappen. Strike überzeugt als menschlicher, sympathischer Ermittler, einbeiniger Ex-Soldat, Boxer-Statur, trotzdem verletzlich; und Robin, die ursprünglich nur für gerade mal zwei Wochen temporär bei ihm aushelfen soll und dank ihrer Talente bald vom „Temp“ (solche Jobs für ein, zwei Wochen gibt es tatsächlich?? Schande über uns alle) zur Assistentin und Kollegin aufsteigt, ist nicht das zarte weibliche Pflänzchen dazu, sondern klug und so mutig, dass es das Leserinnen-Herz sehr freut.

Aber irgendwer sollte Rowling dazu raten, ihren Hauptfiguren auch ein paar Geheimnisse zu lassen und nicht gleich in Band eins mit allen intimen Details herauszuplatzen. Es dauert nicht lange, und wir kennen Strikes gesamte Lebensgeschichte, und dazu muss er auch noch gefühlt alle zwei Minuten aufs Klo oder fühlt sich dreckig wegen zu viel Bier und China-Imbiss am Vorabend, oder irgendwas stimmt mit der Prothese nicht – ach was weiß ich, natürlich ist das lustig und menschlich. Aber Sex-Appeal für ihre männliche Hauptfigur kriegt sie auf diese Weise nicht hin, und das stört insofern, als eine zentrale Frage der Krimi-Reihe natürlich ist, ob Strike und Robin nun eigentlich zusammenkommen oder nicht. Schafft sie es, ihren Angeber-Verlobten in die Wüste zu schicken? Überwindet er das Trauma einer gar nicht allzuweit zurückliegenden Ehe mit einem wilden Oberschichts-Drachen?

In „Lethal White“, der vierte und neuste Band der Reihe, scheint eine Antwort in greifbare Nähe gerückt: Es geht los mit der Hochzeit von Robin mit ihrem so langjährigen wie langweiligen (Buchhalter!) Verlobten Matthew, an dem sie im Verlauf der Feier immer stärker zu zweifeln beginnt. Dass Strike unangemeldet in die Feier platzt, steigert die allgemeine Gefühls-Verwirrung noch zusätzlich.

Diese ersten Szenen sind ziemlich stark, eine zweifelnde, verzweifelnde Braut, eine phantasielose 08/15-Hochzeit, die lauernde Verwandtschaft, der zynische Hochzeitsfotograf, und dazwischen Strike mit seiner Boxer-Visage, noch ganz lädiert vom Ringkampf mit einem Serienkiller, siehe das Finale von Band Drei.

Wenn es denn nur so weiterginge. Die Szenen ums Privatleben von Robin und Strike bleiben die besten in einem Kriminalroman, der vor allem die Frage stellt, was bei der Haupthandlung, dem zu lösenden Fall, eigentlich in Rowling/Galbraith gefahren ist.

Vor dem Hintergrund der Olympischen Spiele in London wird ein Politiker erpresst, und es haben unter anderem Aktivisten aus dem ultralinken Lager der Spiele-Gegner damit zu tun. Nun ja.

Die wirre Geschichte eines psychisch kranken jungen Mannes, der eines Tages ins Strikes Büro platzt, und die natürlich verbunden ist mit dem Erpressungsfall, kann die Spannung schon irgendwie steigern – aber man fragt sich trotzdem, ob private Ermittler in finanzieller Schieflage wirklich mal eben alles fallen lassen, um wirren Geschichten psychisch kranker junger Männer nachzugehen, die eines Tages einfach ins Büro platzen.

Was mich aber am meisten stört an Strikes Abenteuern, und damit ist Rowling/Galbraith nicht alleine, das ist die ermüdende Beliebigkeit von Schauplätzen und Figuren.

Krimis, wenn sie gut sind, haben ja den Reiz, dass der Fall über sich hinausweist auf etwas Grundsätzliches, auf eine Funktionsstörung unserer Gesellschaft, auf den Abgrund hinter der Normalität.

Aber Galbraiths Kriminalfälle nutzen die Normalität nicht als Fassade für den Dreck dahinter, nicht als Symbol für das, was eigentlich gesagt werden soll. Das normale Hier und Heute bleibt Kulisse und wird halt einfach beschrieben, sonst nichts. So folgen wir Strike und Robin zunehmend lustlos von einem hilfos geschilderten Pub zum nächsten und von einer flachen, aber nun mal irgendwie tatverdächtigen Figur zur anderen, dass es zum Auswachsen ist – und einfach zu wenig für immerhin knapp 650 Seiten.

Robert Galbraith:

The Cuckoo’s Calling.

The Silkworm.

Career of Evil.

Lethal White.

Alle erschienen bei Mulholland Books.

Werbung

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..