Übersicht, Debüts, erzählend

Vive la France.

Der 14. Juli, das war natürlich vorgestern schon, aber egal. Pünktlich, das ist so deutsch! Machen wir uns locker. Entdecken wir unser inneres Frankreich. Denken wir an liberté, egalité und fraternité, was leider nicht Schwesterlichkeit heißt, wenden wir das Gesicht nach Westen, schauen wir auf ein Land, das für die Freiheit auf die Straße ging, wieder und immer wieder, als leidenschaftlicher, gnadenloser politischer Motor Europas.

Suchen wir nach Büchern (und Filmen) aus/über Frankreich.

Fettklößchen. In dieser kurzen Erzählung, die im Krieg von 1870/71 spielt, für die deutsche Seite ruhmreich und reichsbegründend und was nicht noch, und fürs arme Frankreich eine so grässliche Tragödie, ist das der Spitzname einer Prostituierten und soll auch noch schmeichelhaft gemeint sein, naja, andere Zeiten. Dieser erste große Erfolg des besonders für seine pointierten Erzählungen gerühmten Guy de Maupassant rechnet ab mit der Doppelmoral der verlogenen Spießbürger, die eine Prostituierte selbst dann nicht anerkennen, nachdem sie ihnen, unter Einsatz ihres Körpers und Lebens, den Hals gerettet hat. Wham. Auf diese Weise die literarische Bühne zu betreten, um sie nie wieder zu verlassen – träumen wir nicht alle davon?

Vernon Subutex. Vernon, der Plattenhändler im Ruhestand, ist einer, der mit Karacho durchs soziale Netz fällt und mangels Wohnung von einem Pariser Sofa zum anderen zieht, seine Heldenreise ein Spiegel der aktuellen französischen Verhältnisse. Nichts für zarte Seelen, was Wunder: Die Autorin hat auch „Baise-Moi“ verfasst. Also: „Fick mich.“ Dezent übersetzt.

Wer hat meinen Vater umgebracht. Der junge Autor, möglicherweise in Gedanken bei Kafka, schreibt an, über, für seinen Vater. Der Pech hatte. Arm geboren, arm geblieben, mit fünfzig körperlich zerstört von der Knochenarbeit in zu vielen Billigjobs. Eine Abrechnung, eine Anklageschrift, eine Suche nach Antwort auf die Frage, die der Titel stellt. Wer sind sie, die Mörder? Die dumpfen Patriarchen, die ihren Söhnen nur beibringen, dass Lesen was für Weicheier ist? Diejenigen, die fünf Euro für wenig Geld halten, Krankenversicherungen zusammenstreichen, Sozialleistungen kürzen?

Hart, das alles, und bitter.

Einmal durchatmen kann man dann bei …

Zusammen ist man weniger allein. Kitschig stellenweise, aber das lässt sich überblättern. Und dann wird man wunderbar unterhalten und getröstet. Zu meiner genialen Theorie, dass diese Geschichte um drei (oder vier) Unglückliche, die sich im winterlichen Paris zu einer Ersatz-Familie zusammenfinden und damit gegenseitig retten, mit den Drei Musketieren zu tun hat, geht es hier entlang.

Asterix. Natürlich, immer.

Filme auch? Oh ja. Filme auch.

36 Quai des Orfèvres. Ein Polizeifilm mit sagenhafter Musik, super Darstellern, spannendem Plot, bestechend kühlem Design, quälenden Fragen über Unschuld und Schuld. Die Deutschen kriegen solche Filme nicht hin. Wir wollen ja immer nur große Kunst fabrizieren, statt dieser reinen Unterhaltung, pfui, liederlich, was würde Goethe dazu sagen! Wahrscheinlich, dass wir uns mal locker machen, unser inneres Frankreich befreien und diesen Film angucken sollen.

Casablanca. Ja, das ist kein französischer Film, danke, weiß ich. Aber es geht um Frankreich, es spielt auf französischem Boden, und wer die Szene mit der Marseillaise nicht kennt, alle Gäste in Ricks Café, wie sie die Nazis in Grund und Boden singen, tja, der hat noch nicht gelebt. Wirklich nicht.

 

 

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