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Marcus Sedgwick: My swordhand is singing

Eiskalt ist es in Sedgwicks Roman, der irgendwo weit im Osten spielt, Rumänien vielleicht, und es herrscht bitterer Winter, und es ist nicht mehr ganz das tiefe Mittelalter, aber von Aufklärung und Moderne kann auch keine Rede sein. Stattdessen Wald, schwarz-weißer Birkenwald, und tiefer Schnee, so weit das Auge reicht.

Wald kann Zuflucht bieten und im Frühling und Sommer wunderschön sein. Aber in Sedgwicks verfluchtem Winter mit der lauernden Stille zwischen den Bäumen wird er zur Todesfalle. Schon auf den ersten Seiten wird Blut in den weißen Schnee tropfen und es den ersten Toten geben. Und den ersten Untoten.

Tomas und Peter, Vater und Sohn, ziehen als Holzfäller durch dieses ungemütliche Waldgebiet. Die Kälte und das Schweigen des Winterwalds spiegeln sich im unguten Verhältnis der beiden, das Sedgwick mit nüchternen, knappen Sätzen schildert, wie Axthiebe in einem zähen Birkenstamm. Vater Tomas ein Taugenichts, faul und versoffen, Sohn Peter dagegen ehrlich, anständig und fleißig, und wütend und enttäuscht darüber, dass Tomas lieber säuft und zuschlägt, als zu reden.

Dabei gäbe es einiges zu besprechen. Es geht ja nicht nur darum, vom Vater einmal zu hören, ob er immer noch um die Mutter trauert, die bei Peters Geburt starb. Und ob er dem Sohn die Schuld an ihrem Tod gibt.

Es geht darum, welcher Schrecken das kleine Dorf, in dem Tomas und Peter den Winter verbringen, befallen hat, was da um die Häuser schleicht, wenn die Dunkelheit hereinbricht, und wogegen sich die Dörfler in hilfloser Angst mit Teer auf den Fensterbrettern und zerdrücktem Knoblauch zu schützen versuchen.

Es geht darum, was der Vater über diesen Schrecken weiß. War er nicht früher einmal Soldat, ein großer Kämpfer? Was versteckt er in jener geheimnisvollen Holzkiste, die auf keiner Reise zurückbleiben darf?

Erst als das fahrende Volk im Dorf Station macht, erst als Peter der schwungvollen, klugen Sofia begegnet, die schon bei der ersten Begegnung ganz unverfroren mit ihm flirtet, lässt Sedgwick einen belebenden Farbklecks, bunt wie die Mäntel der Fremden, ins winterliche Schwarz-Weiß der Erzählung fallen.

Plötzlich steht Wissen zur Verfügung, das Know-How der Fahrenden, die sich dem Kampf gegen die Untoten verschrieben haben. Peter erfährt endlich mehr über Tomas‘ Vergangenheit.

Und mit der Wahrheit und dem bisschen Farbe im Winterwald gerät etwas in Bewegung. Mit einem Mal gibt es ein gemeinsames Ziel, und einen gemeinsamen Kampf. Rätsel werden gelöst, ein altes Lied gesungen, und endlich ein Schwert geschwungen gegen die Totenarmee.

Ich bin ja immer sehr misstrauisch bei diesem Fantasy-Schwertkampf-Ding, das hat sehr schnell was von peinlicher Jungsfantasie.

Aber auch hier erweist sich Sedgwick als souveräner Erzähler. Die martialische Poesie des Romantitels erweist sich als folgerichtig, wenn in einem sehr schönen Showdown Gesang und Fechtkunst und Kampf um die Liebsten in eins fallen. Den Tanz mit dem Schwert gegen die Monster inszeniert Sedgwick als die Feier des Lebens selbst, steht doch das aktive Sich-Wehren, das Geschick, die Entschlossenheit eines lebendigen Menschen gegen die mechanischen, starren Bewegungen der Untoten, die keinen eigenen Willen mehr haben.

Und als hätten Anstrengung und Adrenalin den Schnee geschmolzen, darf es dann am Ende tatsächlich noch Frühling werden.

 

 

 

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