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Garten-Freuden

Mit unserem Garten liegen wir ja derzeit voll im Trend.

Geht man zur unteren Terrassentür raus, läuft man in eine pelzige Wand aus Bienen. Unter allem, Steine, Stühle, sitzen, kaum dreht man sich weg, zack, braune Kröten. Der untere Gartenweg ist traute Heimat einer Blindschleiche, die sich schon auch mal zur Seite ringelt, wenn wir vorbeiwolllen, aber ganz, ganz langsam. Gegen die Krähen irgendwas zu machen, hat sowieso keinen Sinn, ab 18 Uhr jeden Abend beanspruchen sie unsere sämtlichen Baumwipfel für ihre Debattierstunde. Die Dachrinne haben die Gartenrotschwänzchen gekapert, die Amseln hüpfen im Rasen rum und werden ungehalten, kommt man ihnen zu nahe, und Spinnen, Ameisen, Mücken und Fliegen jeder Couleur gibt es sowieso, von denen fangen wir gar nicht erst an. Außerdem natürlich Raupen, träge von den Blättern hängend, sowie Schnecken, die gemütlich alles vollschleimen.

Die Schnecken wiederum müssen den Igel angelockt haben, der jetzt in den Büschen seitlich von der Terrasse links in einer Lautstärke sein Winternest baut, dass es eigentlich nur noch Absicht sein kann. Haben wir Besuch auf dieser Terrasse, dreht er seine Nestbau-Dezibel dann noch mal ordentlich rauf, so mein Eindruck.

Wir freuen uns ja, dass es so lebhaft zugeht bei uns. Aber als neulich meinem Mann sein Stück Zitronenkuchen in den drei Sekunden, in denen er mal woandershin geschaut hat als direkt auf seinen Teller, von unserer heimischen Rotschwänzchen-Mafia zerlegt wurde, da war dann doch klar, wir haben ein Problem.

Was also tun? Experten raten zur Skrupellosigkeit: „Es ist ihr Garten, und sie bestimmen, wie es darin zugehen soll!“

Leicht gesagt bei den Kröten unserer Kolonie. Die haben ihre eigenen Anwälte.

Aber dann trauten wir uns doch.

Inzwischen halten Insektenschutzgitter vom Profi die Jung-Mücken davon ab, ihre abendlichen Karaoke-Sessions innerhalb unseres Schlafzimmers zu feiern. Vom Nachbarn haben wir uns einen Freischneider geliehen und ein paar Inseln im wuchernden Gras geschaffen.

Aber seit diesem Tag des Freischneiders ist der Igel weg. Einfach verschwunden. Die Büsche neben der Terrasse sind leer.

Die Kröten haben auch was mitgekriegt, jedenfalls weichen sie uns aus neuerdings, und die Blindschleiche ringelt verdächtig schnell woandershin, sobald wir aus dem Haus kommen.

Die Bienen-Wand ist durchlässiger, die Krähen fixieren uns finster, die Rotschwänzchen schweigen verlegen. Die Stimmung, kurz gesagt, ist schlecht.

Wir haben also den Freischneider wieder beim Nachbarn abgegeben, früher als geplant, und mit großer Geste, dass es unsere Flora und Fauna auch bestimmt mitkriegt.

Wir haben beschlossen, zu akzeptieren, dass der Garten nur für einige knappe Zeitfenster täglich auch für uns nutzbar ist. Das ist eben Natur! Die anderen Zeitfenster nutzen die Kröten, Vögel, Bienen, Rehe und Wölfe (wobei, das war zu klein für einen Wolf – sicher sind wir nicht) nur umso fröhlicher.

Und schließlich liegen naturnähe Garten ja derzeit voll im Trend.

 

 

 

 

 

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