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Was in dieser Woche dringend passieren sollte

Es sollte der braune, trostlose, unkaputtbare Blechschuppen vor der Terrasse über Nacht, von Schuldgefühlen überwältigt, von selbst in sich zusammenfallen und die Einzelteile sich in duftende Komposterde verwandeln.

Es sollte Barack Obama mit einem selbstgebackenem Kuchen bei uns klingeln, lassen Sie uns über die USA und amerikanische Politik reden, ich habe mir den Nachmittag freigenommen.

Es sollten die Proteste in Belarus Erfolg haben.

Es sollte jemand die Sümpfe der Traurigkeit, die T. schon so lange Seele und Geist überschwemmen und gegen die wir alle nichts tun können, endlich trockenlegen.

Es sollte ein findiger Coiffeur mir die Haare so schneiden, dass sie aussehen würden wie in den 1940er-Jahren, wo ich doch der 1940er-Jahre-Typ bin.

Ja, das alles sollte in dieser Woche dringend passieren.

 

 

 

 

 

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Was in dieser Woche dringend passieren sollte

Es sollte der Uluru, aka Ayers Rock, einen roten, schweren, staubigen Felsbrocken an den Regierungssitz von Australien schicken, und die amtierende Regierung würde tief erschrecken, eine Nacht hindurch meditieren, dann alles begreifen und im Zuge einer totalen Kehrtwende jede folgende Amtshandlung an Schutz und Pflege der sensiblen, einzigartigen australischen Flora und Fauna ausrichten. Weiterlesen „Was in dieser Woche dringend passieren sollte“

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Was in dieser Woche dringend passieren sollte

Es sollte in meiner Nachbarschaft ein politisches Diskussionskommittee eröffnet werden, das interessierte, aber schüchterne Blümchen mit offenen Armen willkommen hieße und wo dann bis in die tiefe Nacht wilde und wichtige Debatten geführt würden.

Es sollte der gutaussehende Berufskiller endlich die schwarze Liste abarbeiten, statt mit seiner neuen Flamme „The Equalizer 2“ anzuschaun.

Es sollte R. sich in, ja, genau!, T. verlieben.

Es sollte meine Lieblings-Sommerhose, die früher nie gekniffen hat und nun plötzlich kneift, bitte nicht mehr kneifen.

Es sollte außerdem nicht so sonnenklar sein, was in dieser Woche natürlich dringend passieren sollte, weil das bedeuten würde, dass die Welt eine andere wäre, nämlich ohne jeden Zweifel besser.

 

mauerblümchen
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Meine schüchternen Wünsche

Wir wollen ja alle auch ganz konkrete Sachen.

Mein Mann möchte japanischen Whisky, mal endlich eine teure Gitarre statt dem Wimmerholz aus der Vorschule, und ein Pamazon-Trime-Abo.
Meine kleine Tochter möchte die Schnallen meiner Schlappen abschlecken, an meiner Brille kauen und eine gut gefüllte Brust in Saughöhe.
Ich selber will meine Zitronenverbene umtopfen und einen japanischen Kimono und ein cooles Café als Arbeitsplatz, wo ich dann meinen Laptop aufklappe und Kaffee trinke und Texte schreibe.
Verbene: kriege ich hin. Kimono: schwieriger, gibt’s hier nirgends, höchstens mal Secondhand in grotesken Übergrößen.

Aber ach, das Café als Arbeitsplatz. Weiterlesen „Meine schüchternen Wünsche“

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Was in dieser Woche dringend passieren sollte

Es sollten ein paar coole Künstlerinnen und Künstler die beiden verrottenden Bauernhäuser am Ende der Straße aufkaufen und zu einem Künstlertreff/Café/Szene-Hotspot umfunktionieren, der sich deutschlandweit gewaschen haben und jede Menge interessantes Volk in unseren entlegenen Winkel der Welt spülen würde.

Es sollte P. mir einen Brief schreiben: „Natürlich erinnere ich mich an die Metapher mit dem Wollknäuel …“

Es sollte ein gutaussehender, geheimnisvoller Auftragskiller vor meiner Tür stehen und circa Folgendes sagen: „Nächste Woche habe ich noch Kapazitäten frei, wie wäre es, wenn ich einen der derzeit schlimmsten Staatsoberhäupter für Sie umlege, das führt dann niemand auf Sie zurück, ach und übrigens, ich möchte die Nacht mit Ihnen verbringen.“

Es sollte sich ein blauer Briefumschlag in meinem Briefkasten befinden, und aus diesem würde Salzwasser auf die Straße tropfen, und die blaue verschnörkelte Schrift darin würde die Botschaft ergeben: „Ich steige zwar kontinuierlich werde aber London aussparen, dachte das wäre in Ihrem Sinn herzlichst Ihr Meeresspiegel“

Es sollte mein rechter oberer Zahn aufhören so komisch wehzutun, das ist ja schon unheimlich allmählich.

Ja, das alles sollte in dieser Woche dringend passieren.

 

 

Texte

Fliegen lernen

Drei unserer vier Teppiche können fliegen und sind jede Nacht unterwegs.

Schüttle ich sie aus, fliegen mir feine, rötliche Sandkörner ins Gesicht. Wüstensand.

Der schwarz-weiße Berberteppich, noch von meiner Großmutter selig, hat sich gestern frühmorgens gerade noch so wieder ausgerollt in meinem Wohnzimmer, kurz bevor ich reinkam, und lag dann da, als wäre nichts.

Der Kleinste der drei, ein roter Kelim, war an einer Ecke nass gestern früh. Ich wrang ihn aus, und das Wasser war salzig und roch nach Teer. Weiterlesen „Fliegen lernen“