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Das frivole Museum

Von meiner Omi habe ich eine Handvoll Schmuck geerbt, zwei Fast-Biedermeier-Stühle und diese wild geblümten Overalls aus den Siebzigern. Außerdem ein schmales Bändchen mit dem vielsagenden Titel „Das frivole Museum“, fünfte Auflage 1961.

Möglich, dass das heute als ironisch-cooles Coffeetable Book durchginge. Damals fiel sowas in die artige Kategorie „Schmunzelbuch“, Zielgruppe waren die gebildeten oberen Zehntausend, und schmunzeln sollten sie darüber, dass berühmte Werke der bildenden Kunst, Gemälde oder Skulpturen, sich in Form ganz alltäglicher Sätze selbst zu Wort melden.

Also, zum Beispiel: Dürers Selbstportrait mit den auffallend langen Locken, berühmtes Statement eines selbstbewussten Künstlers, der Geist der Renaissance weht uns an. Und im Frivolen Museum steht dann drunter: „Also ich habe mit Heimkaltwelle nur gute Erfahrungen gemacht“.

Für mich atmet das die Fünziger Jahre wie nichts anderes, vor allem die obskure Heimkaltwelle, von der ich bis heute nicht weiß, was das bitte sein soll, ich stelle mir da immer eine Art mechanische Steampunk-Trockenhaube vor. Keine Fifties-Lampe oder diese mundgeblasenen Schalen oder was die Hipster sonst noch horten, kommt da ran. Und wie meine Omi war als Mensch, und wie mein alberner Großvater, der mich noch gekannt hat, aber ich ihn nicht, weil er relativ früh starb, und wie die heitere Ehe dieser beiden, und ihr High Life in den Fünfzigern, Reisen, Glamour, Parties, endlich ordentlich Geld verdienen, endlich Luxus und nobel gedeckte Tische statt hastig aus dem Rucksack fressen wie an der Front, das enthält dieses Bändchen auch, unschlagbar.

Interessanterweise zündet die Grundidee vom „Frivolen Museum“ am besten bei den wirklich berühmten, klassischen Sachen (Dürer, Michelangelo) und bei moderner Kunst (Mirò, Duchamp) irgendwie nicht so gut. Interessant auch, dass einige der frivolen Heiterkeiten natürlich auf Kosten der abgebildeten Frauen gehen. Ob die Art platter Sexismus damals wirklich niemanden gestört hat?

Wobei es mich eigentlich auch nicht wirklich stört, gebe ich zu. Zu viele Erinnerungen hängen an diesen Witzchen, zu hartnäckig folgen sie mir von Museum zu Museum. Steh ich vor der Nofretete, macht es bling! und ich denke sofort: „Mit diesem Hut steche ich sie alle aus!“ Die Laokoon-Gruppe will mich beeindrucken, aber meine innere Tagline ist schneller: „Nimm doch mal einer den Hörer ab!“

Von meiner Omi habe ich Schmuck geerbt und zwei Stühle und diese Siebziger-Overalls im unmöglichen Blumenmuster. Ich kann ihr nicht mehr sagen, dass für mich ein schmales Bändchen herzzereißender Albernheiten, aus einer anderen Zeit, aus einem anderen Land, absolut am meisten zählt. Ich schätze aber mal, sie weiß es: Spätestens in der alten Pinakothek, irgendwann wird Corona ja vorbei sein und man kann wieder hin, wenn ich Dürers Selbstportrait sehe mit den langen Locken, die Renaissance, die Entdeckung des Ich, der Stolz des selbstbewussten Künstlers, wird ein fettes Blinklicht im Jenseits leuchten bis zu mir: „Also ich habe mit Heimkaltwelle nur gute Erfahrungen gemacht“.  

 

 

 

 

 

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Was bis Weihnachten dringend passieren sollte (II)

Es ist der dritte Advent, ich bin zu fünfzig Prozent an einem Weihnachtsgeschenk beteiligt, verfüge über ein zweites, warte auf ein drittes und habe eine Idee für Nummer vier. Fehlen noch vier.

Es sollte mir jemand beantworten, wie ich in der noch verbleibenden Zeit, wo doch der Lockdown seine Schatten vorauswirft und die kleine Flocke nicht betreut werden kann, zu diesen vier Geschenken kommen soll.

Es sollten uns die Nachrichten für eine Weile verschonen mit Meldungen, in denen „seit Beginn der Wetteraufzeichnungen“ vorkommt (oder „Inzidenzwerte“, oder „Frontex“, oder „die republikanische Partei“).

Es sollte die kleine Flocke aufhören, Schleich-Tiere, Mützen, Schlüssel und Mandarinen hinter die Abdeckung auf den Heizkörper zu werfen.

Es sollten meine dunkelblauen Hosen mit der Bügelfalte sich entscheiden, ob sie auf Hüft- oder Taillenhöhe sitzen wollen, weil wiederum ich dann endlich wüsste, welche Schuhe dazu kombinierbar wären, bisher sehen die nämlich alle irgendwie komisch dazu aus.

Ja, das alles sollte dringend bis Weihnachten passieren.

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Was bis Weihnachten dringend passieren sollte

Es ist der zweite Advent, ich bin mit 50 Prozent an einem Weihnachtsgeschenk beteiligt und habe eine Idee für ein zweites. Fehlen noch acht.

Es sollten sich diese acht Geschenke möglichst bald, wunderbar verpackt, vor meiner Haustür befinden.

Außerdem sollten bis Weihnachten die braun angelaufenen Schneematsch-Häufen am Straßenrand abgelöst werden durch richtigen Schnee, im Sinne von tief, im Sinne von geschlossene Schneedecke, von romantisch, heiße Schokolade und Iglus-und/oder-Schneemänner-im-Garten-bauen.

Es sollte sich außerdem ein genau 1,5 Grad kalter Brief im Briefkasten finden, und dieser Brief sollte folgendes formulieren: „Habe gerade ein Entschleunigungsseminar besucht, das mir viel gegeben hat, werde jetzt ‚Die Entdeckung der Langsamkeit‘ lesen, Ihnen alles Gute, der Klimawandel“.

Es sollte der Weihnachtsmann bei uns vorbeikommen und die Kleine in seinem Schlitten schlafen und jedes Rentier kraulen lassen, und mein Mann und ich würden solange gemütlich Sushi essen gehen.

Es sollte Jesus von Nazareth persönlich – ach, besser nicht.

Ja, das alles sollte bis Weihnachten dringend passieren.

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Was in dieser Woche dringend passieren sollte

Es sollte der braune, trostlose, unkaputtbare Blechschuppen vor der Terrasse über Nacht, von Schuldgefühlen überwältigt, von selbst in sich zusammenfallen und die Einzelteile sich in duftende Komposterde verwandeln.

Es sollte Barack Obama mit einem selbstgebackenem Kuchen bei uns klingeln, lassen Sie uns über die USA und amerikanische Politik reden, ich habe mir den Nachmittag freigenommen.

Es sollten die Proteste in Belarus Erfolg haben.

Es sollte jemand die Sümpfe der Traurigkeit, die T. schon so lange Seele und Geist überschwemmen und gegen die wir alle nichts tun können, endlich trockenlegen.

Es sollte ein findiger Coiffeur mir die Haare so schneiden, dass sie aussehen würden wie in den 1940er-Jahren, wo ich doch der 1940er-Jahre-Typ bin.

Ja, das alles sollte in dieser Woche dringend passieren.

 

 

 

 

 

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Was in dieser Woche dringend passieren sollte

Es sollte der Uluru, aka Ayers Rock, einen roten, schweren, staubigen Felsbrocken an den Regierungssitz von Australien schicken, und die amtierende Regierung würde tief erschrecken, eine Nacht hindurch meditieren, dann alles begreifen und im Zuge einer totalen Kehrtwende jede folgende Amtshandlung an Schutz und Pflege der sensiblen, einzigartigen australischen Flora und Fauna ausrichten. Weiterlesen „Was in dieser Woche dringend passieren sollte“

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Was in dieser Woche dringend passieren sollte

Es sollte in meiner Nachbarschaft ein politisches Diskussionskommittee eröffnet werden, das interessierte, aber schüchterne Blümchen mit offenen Armen willkommen hieße und wo dann bis in die tiefe Nacht wilde und wichtige Debatten geführt würden.

Es sollte der gutaussehende Berufskiller endlich die schwarze Liste abarbeiten, statt mit seiner neuen Flamme „The Equalizer 2“ anzuschaun.

Es sollte R. sich in, ja, genau!, T. verlieben.

Es sollte meine Lieblings-Sommerhose, die früher nie gekniffen hat und nun plötzlich kneift, bitte nicht mehr kneifen.

Es sollte außerdem nicht so sonnenklar sein, was in dieser Woche natürlich dringend passieren sollte, weil das bedeuten würde, dass die Welt eine andere wäre, nämlich ohne jeden Zweifel besser.