Übersicht, englisch, erzählend, Junge Leser

Marcus Sedgwick: My swordhand is singing

Eiskalt ist es in Sedgwicks Roman, der irgendwo weit im Osten spielt, Rumänien vielleicht, und es herrscht bitterer Winter, und es ist nicht mehr ganz das tiefe Mittelalter, aber von Aufklärung und Moderne kann auch keine Rede sein. Stattdessen Wald, schwarz-weißer Birkenwald, und tiefer Schnee, so weit das Auge reicht.

Wald kann Zuflucht bieten und im Frühling und Sommer wunderschön sein. Aber in Sedgwicks verfluchtem Winter mit der lauernden Stille zwischen den Bäumen wird er zur Todesfalle. Schon auf den ersten Seiten wird Blut in den weißen Schnee tropfen und es den ersten Toten geben. Und den ersten Untoten. Weiterlesen „Marcus Sedgwick: My swordhand is singing“

Übersicht, Debüts, erzählend

Vive la France.

Der 14. Juli, das war natürlich vorgestern schon, aber egal. Pünktlich, das ist so deutsch! Machen wir uns locker. Entdecken wir unser inneres Frankreich. Denken wir an liberté, egalité und fraternité, was leider nicht Schwesterlichkeit heißt, wenden wir das Gesicht nach Westen, schauen wir auf ein Land, das für die Freiheit auf die Straße ging, wieder und immer wieder, als leidenschaftlicher, gnadenloser politischer Motor Europas.

Suchen wir nach Büchern (und Filmen) aus/über Frankreich. Weiterlesen „Vive la France.“

Übersicht, erzählend, Junge Leser

An Rutgers: Die Kinderkarawane

Der Wilde Westen ist voller wilder Geschichten, und eine davon, die so oder zumindest so ähnlich offenbar tatsächlich stattgefunden hat, erzählt An Rutgers in ihrem klugen Jugendbuch „Die Kinderkarawane“.

Pioniere nannte man ja damals die Männer und Frauen, die sich aufmachten, um den riesigen nordamerikanischen Kontinent zu ihrer Heimat zu machen – dort zu siedeln, Land zu bebauen, Dörfer und Städte zu gründen. Weil sie allein im wilden Land gar keine Chance gehabt hätten, schlossen sie sich zu Trecks zusammen, entschlossene Kolonnen häufig viel zu schwer gebauter Planwagen, voller Kinder, Möbel, Erbstücke.

Der Siedlertreck in der „Kinderkarawane“ will eigentlich nach Oregon, ins wahrhaft gelobte Land, zur Missionsstation des Missionars Whitman. Aber Oregon ist weit, der Weg erweist sich als sehr viel härter als angenommen. Sollen sie nicht doch lieber nach Kalifornien, die leichtere Route einschlagen?

Die Kinder der deutschstämmigen Familie Sager, Waisen nach dem Tod von Vater und Mutter, die den strapaziösen Weg nach Westen nicht überlebt haben, träumen den Traum der Eltern vom gelobten Oregon. Sie sind entsetzt, als der Treck beschließt, doch lieber den sicheren Weg, nach Kalifornien, zu nehmen.

Und sie beschließen: Dann gehen wir eben alleine weiter. Weiterlesen „An Rutgers: Die Kinderkarawane“

Übersicht, englisch, erzählend

Robert Galbraith: The „Strike“-Series

Krimis waren noch nie so meins. Und die Krimi-Reihe von Joanne K. Rowling aka Robert Galbraith um den privaten Ermittler Cormoran Strike und seine tüchtige Assistentin Robin wird das leider auch nicht ändern.

Wobei ein paar Dinge ja auch durchaus klappen. Weiterlesen „Robert Galbraith: The „Strike“-Series“

Übersicht, erzählend, Junge Leser

Angie Thomas: The Hate U Give

Mit dreizehn fanden wir Tupac eine Zeitlang total cool, Rapper, USA, Gefängnis und so. Wovon genau er sang, verstanden wir allerdings nicht ganz, unser Englisch war zu schlecht.

Vielleicht höre ich ja jetzt aber nochmal in ein paar Alben von ihm rein, und daran ist Angie Thomas schuld mit ihrem Jugendroman „The hate u give“. Weiterlesen „Angie Thomas: The Hate U Give“

Übersicht, englisch, erzählend

Ian McEwan: Sweet Tooth

Der Spionage-Roman „Sweet Tooth“ nimmt die Aktivitäten des MI5 im England der 1970er-Jahre in den Blick. Leider geht es McEwan aber nicht nur um die Entzauberung von Geheimdienst-Klischees. Er hat noch ein anderes, oder besser, eigentliches, Thema, wie in seinem zu Recht gefeierten Roman „Atonement“ auch: Die Wirkungsmacht der Literatur.

Und genau auf dieser, sagen wir, Meta-Ebene gewinnen stereotype Muster – Mann als ordnende Kraft, Frau als naive Streberin – doch wieder die Oberhand. Das ist schade, interessiert doch „Sweet Tooth“ gerade deshalb, weil der Roman zunächst regelrecht feministisch daherkommt. Weiterlesen „Ian McEwan: Sweet Tooth“

Übersicht, erzählend, Junge Leser, Lieblingsbücher

John Reynolds Gardiner: Steinadler

Willys Großvater ist krank. Tag für Tag bleibt er einfach im Bett liegen, ohne sich zu rühren, ohne zu sprechen. Erst als im Auftrag des Staats Wyoming einer von den „Stadtgecken“, wie der Großvater sie immer nennt, vor der Tür steht, das Lächeln dünn, die Zigarre dick, und 500 Dollar Steuernachzahlung fordert, versteht Willy den Grund dafür. 500 Dollar, sonst ist die Farm weg, auf der sie leben, Willy, der Großvater, und die treue Hündin Spürnase.

Ein Glück, dass es Spürnase gibt. Mit ihr zusammen kann Willy die Felder der Farm umpflügen, oder zum Vergnügen stundenlang mit dem Schlitten durch den Tiefschnee Wyomings sausen, schneller als alle anderen.

Da wird in der Stadt ein Schlittenhunderennen ausgeschrieben, offen für jeden, der es sich zutraut. Preisgeld: 500 Dollar.

Wäre da nur nicht Steinadler, der riesige, schweigsame Indianer. Auch er hat sich fürs Rennen angemeldet, und auf den Farmen der Umgebung tuscheln sie, dass er bisher noch nie verloren hat … Weiterlesen „John Reynolds Gardiner: Steinadler“

Übersicht, Debüts, erzählend, sachlich

Amy Liptrot: Nachtlichter

Wer „Nachtlichter“ liest, macht zwei Reisen zugleich: Eine psychologische, in die Seele eines alkoholkranken Menschen, dem nach zehn Jahren der Sucht endlich der Ausstieg gelingt, und eine geographische, in den äußersten Norden Großbritanniens, auf die Inselgruppe der Orkneys.

Weiterlesen „Amy Liptrot: Nachtlichter“

Übersicht, Debüts, englisch, erzählend

Tara Westover: Educated

Zwei rote Tabletten liegen vor Tara auf dem Tisch. Ibuprofen. Seit Tagen hat sie Schmerzen im Ohr, eine Entzündung wahrscheinlich. „Jetzt nimm schon,“ sagt der Freund. Aber Tara zögert. Medikamente sind Teufelswerk. Das Gesundheitssystem kontrollieren die Illuminaten. Wer Tabletten nimmt, kann keine gesunden Kinder zur Welt bringen …

Tara Westover, die mit „Educated“ ihr autobiographisches Debüt veröffentlicht, ist als Mormonin im US-Bundesstaat Idaho aufgewachsen. In ihrer Familie wird nur akzeptiert, wer sich den Glaubenslehren bedingungslos unterwirft, auch wenn dies ein Leben jenseits aller Normalität bedeutet.

Die treibende Kraft hinter diesem Fanatismus ist Taras Vater. Erst als Studentin an der Brigham-Young-Universität, einer mormonischen Institution, wo ein eher gemäßigter Glaube gelebt wird, wird Tara verstehen, dass dessen Verfolgungswahn („Das Militär wird uns unsere Kinder nehmen und sie in staatliche Schulen zwingen! Wir müssen uns bewaffnen!“), seine unberechenbaren Launen, die stundenlangen fanatischen Predigten auf eine bipolare Störung zurückzuführen sind, die sich behandeln ließe – würde die Familie nur an Ärzte glauben.

Auch an Bildung glaubt bei Tara zu Hause niemand. Weiterlesen „Tara Westover: Educated“

Leckere Auslage in Londons nobler neighborhood.
Übersicht, englisch, erzählend, Junge Leser, Sunday's choice

Sunday’s Choice

Und wieder einmal: Meine Wahl für diesen Sonntag! Denn: Eine weitere 80-Stunden-Woche steht kurz bevor. In dieser Stunde der Not gibt es bei der Bücherflocke ausgewählte Buch-Pralinen für hungrige Leserherzen. 

Walfische! In letzter Zeit war hier häufiger von ihnen die Rede. Die folgende Auswahl versteht sich als Huldigung an diese buchstäblich kolossalen Säugetiere. Weiterlesen „Sunday’s Choice“