Übersicht, erzählend, Junge Leser, Lieblingsbücher

Barbara Robinson: Hilfe, die Herdmanns kommen!

Ach, das Krippenspiel. Es gehört zu Weihnachten wie der immergrüne Baum. In Barbara Robinsos erfrischendem Kinderbuch, längst ein Klassiker, gerät eine nette kleine US-Kleinstadt durch verunglücktes Krippenspiel-Casting in Aufruhr. Weiterlesen „Barbara Robinson: Hilfe, die Herdmanns kommen!“

Übersicht, erzählend, Graphic Novel, Junge Leser, Lieblingsbücher

Shaun Tan: Ein neues Land

Die Geschichte ist einfach: In einem armen Land lebt eine kleine Familie, Vater, Mutter, Kind. Der Vater hat sich entschieden, in die Fremde zu ziehen, um dort Geld zu verdienen. Wir sehen, wie er am letzten Morgen zu Hause ein Familienfoto von der Wand nimmt, es sorgsam in Papier einschlägt, es zuoberst in den abgeschabten Koffer legt.

Dann der Abschied von Frau und Tochter, die lange Fahrt übers Meer in einem riesigen, Titanic-ähnlichen Auswandererschiff.
Im neuen Land gilt es langwierige Einreise-Formalitäten zu überstehen, medizinische Untersuchungen, Formulare, Stempel. Einmal aufgenommen, steht die mühsame Suche nach einer Bleibe an, und nach Arbeit. Zum Glück gibt es noch andere Emigranten, die den Neuankömmling willkommen heißen, ihm weiterhelfen, nach seiner Geschichte fragen und ihre eigenen erzählen. Nach einem Jahr Arbeit kann er endlich Frau und Kind zu sich holen. Das letzte Bild zeigt seine fröhliche kleine Tochter, ganz offensichtlich integriert in der neuen Heimat, wie sie eifrig einer jungen Fremden, die verloren neben ihrem Koffer steht, den Weg weist. Eine Migrationsgeschichte, an deren Ende die gelungene Integration steht. Also alles gut?

Ja und nein.

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Übersicht, englisch, erzählend, Junge Leser

American Dreams (8)

In meinem Bücherregal herrscht Partystimmung schon seit Tagen, die amerikanischen Titel geben einen aus, Geschichtsbücher tanzen mit Wörterbüchern, Romane mit Biographien, die Kinderbücher dürfen extra länger aufbleiben, es ist großartig.

Bei dem Lärm kann ich mich kaum auf die acht Titel meiner Wahl konzentrieren, die „American Dreams“ beenden sollen – in weitaus hoffnungsvollerer Stimmung als beim Start dieser Reihe vor vier Jahren.

Dorothy Canfield Fisher: Das allerbeste Apfelmus. Betsy, bei ihren überängstlichen Helikopter-Tanten aufgewachsen, verschlägt es zu entfernten Verwandten auf eine Farm in Vermont, über die sie bisher nur Schauergeschichten gehört hat. Völlig zu Unrecht: Durch die gütige, ruhige Art von Tante, Onkel und Kusine, die Betsy einfach machen lassen und ihr vieles zutrauen, wird aus dem ängstlichen Kind eine eigenständige, starke Person. Doch dann will ihre Tante sie wieder zurückholen … Als Kind bin ich ganz zufällig an das Buch geraten und habe es geliebt, ohne zu wissen, wie berühmt die Autorin, Aktivistin, Frauenrechtlerin, beste Freundin von Willa Cather, in den USA ist. Meinen Recherchen zufolge leider nur noch antiquarisch erhältlich.

John Reynolds Gardiner: Steinadler. Ein Schlittenhunde-Rennen, in dem es um alles geht. Mit dabei: Ein kleiner Junge und seine treuer Hündin Spürnase, die mit dem Preisgeld Großvaters Farm retten wollen. Ein schweigsamer Indianer, der für sein Volk kämpft. Und beim Showdown im Tiefschnee, kurz vor der Ziellinie, entscheidet sich alles …

Curtis Sittenfeld: Eine Klasse für sich. Ach, mal wieder so ein netter Teenie-Roman – dachte ich. Sittenfelds Internatsgeschichte lässt das weit hinter sich und schildert die Geschichte von Lee aus Indiana, die an der vornehmen Prep-School an der Ostküste einfach keinen Fuß auf den Boden kriegt zwischen all den reichen, selbstbewussten, von Geburt an auf Entscheidungsträger getrimmten Kids so klug und eindrücklich, dass man hinterher weiß: Das ist es, so war es, so fühlt es sich an.

Louise Erdrich: Ein Lied für die Geister. Wie weiterleben, wenn das Schlimmste passiert ist? Landreaux Iron, ein Ojibwa, erschießt auf der Jagd versehentlich den kleinen Dusty, den Sohn der Nachbarsfamilie. In der Verzweiflung besinnen sich die Irons auf eine alte Ojibwa-Tradition und übergeben ihren eigenen Sohn der trauernden Familie: Ab jetzt soll unser Sohn euch gehören! Vor dem Hintergrund des harten Alltags in der Reservation, wo es schwer hat, wer einfach ein normales (Familien-)Leben führen will, schildert Erdrich, wie durch diese brutale Entscheidung langsam ein Heilungsprozess in Gang gesetzt wird, der es den Figuren ermöglicht, schrittweise aus der Trauer zurück ins Leben zu finden. (Leider vergriffen, meldet der Verlag. Aber Ihr-wisst-schon-wo gibt es das bestimmt).

Jonathan Franzen: Schweres Beben. Rätselhafte Beben erschüttern in Franzens Roman nicht nur die Erde, sondern auch das Familienleben einer zerstrittenen Sippe: Familie Holland verliert die Großmutter bei einem Erdbeben, und nun ist der Streit ums Erbe im vollen Gang. Ob die Liebe zwischen Louis Holland und Renée, die als hartnäckige Seismologin gefährlich nah an die Ursache der Beben kommt, vor diesem Abgrund an Habgier, Eifersucht und offenem Hass überhaupt eine Chance hat? Ein Roman aus Franzens bester Zeit (inzwischen macht er mich, inklusive „Unschuld“ und schlecht fundierten Äußerungen zur Klimakrise, eher ratlos).

Ottesha Moshfegh: My year of rest and relaxation. Schön, jung und reich ist sie, die Hauptfigur, ein Abschluss in Kunstgeschichte, ein Apartment in Manhattan. Aber die innere Leere kann sie nicht füllen. Schritt eins: Nur noch rausgehen, um Kaffee bei Starbucks zu holen. Schritt zwei: Drogen. Rund um die Uhr, um endlich mal anständig schlafen zu können. Nach einem Jahr wird dann alles besser und anders sein … Aus meiner Sicht definitv ein Schocker, der amüsanten Art zwar, aber trotzdem. Bitte dazwischen eine Pause machen und irgendwas Nettes, Normales lesen, die aktuelle „Brigitte“ vielleicht:-)

Kein Buch, aber trotzdem (und bitte kein Wort davon an meine Bücher, für die ist „Netflix“ nämlich ungeliebtes Reizwort):

Dear White People. Die Netflix-Eigenproduktion setzt sich im bewusst albernen Sitcom-Stil damit auseinander, was es in den heutigen USA heißt, schwarz zu sein – und zwar, Schock!, aus der Perspektive der Schwarzen. Auf dem Campus einer Elite-Universität löst die Radiosendung „Dear White People“ der frechen Moderatorin Samantha White heftige Debatten aus. Nicht alles, aber wirklich das meiste ist überragend gut und lustig. Die Film-Crew kriegt wohl bis heute Morddrohungen. Welcome to reality.

Übersicht, englisch, erzählend, Junge Leser

Marcus Sedgwick: My swordhand is singing

Eiskalt ist es in Sedgwicks Roman, der irgendwo weit im Osten spielt, Rumänien vielleicht, und es herrscht bitterer Winter, und es ist nicht mehr ganz das tiefe Mittelalter, aber von Aufklärung und Moderne kann auch keine Rede sein. Stattdessen Wald, schwarz-weißer Birkenwald, und tiefer Schnee, so weit das Auge reicht.

Wald kann Zuflucht bieten und im Frühling und Sommer wunderschön sein. Aber in Sedgwicks verfluchtem Winter mit der lauernden Stille zwischen den Bäumen wird er zur Todesfalle. Schon auf den ersten Seiten wird Blut in den weißen Schnee tropfen und es den ersten Toten geben. Und den ersten Untoten. Weiterlesen „Marcus Sedgwick: My swordhand is singing“

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Vive la France.

Der 14. Juli, das war natürlich vorgestern schon, aber egal. Pünktlich, das ist so deutsch! Machen wir uns locker. Entdecken wir unser inneres Frankreich. Denken wir an liberté, egalité und fraternité, was leider nicht Schwesterlichkeit heißt, wenden wir das Gesicht nach Westen, schauen wir auf ein Land, das für die Freiheit auf die Straße ging, wieder und immer wieder, als leidenschaftlicher, gnadenloser politischer Motor Europas.

Suchen wir nach Büchern (und Filmen) aus/über Frankreich. Weiterlesen „Vive la France.“

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An Rutgers: Die Kinderkarawane

Der Wilde Westen ist voller wilder Geschichten, und eine davon, die so oder zumindest so ähnlich offenbar tatsächlich stattgefunden hat, erzählt An Rutgers in ihrem klugen Jugendbuch „Die Kinderkarawane“.

Pioniere nannte man ja damals die Männer und Frauen, die sich aufmachten, um den riesigen nordamerikanischen Kontinent zu ihrer Heimat zu machen – dort zu siedeln, Land zu bebauen, Dörfer und Städte zu gründen. Weil sie allein im wilden Land gar keine Chance gehabt hätten, schlossen sie sich zu Trecks zusammen, entschlossene Kolonnen häufig viel zu schwer gebauter Planwagen, voller Kinder, Möbel, Erbstücke.

Der Siedlertreck in der „Kinderkarawane“ will eigentlich nach Oregon, ins wahrhaft gelobte Land, zur Missionsstation des Missionars Whitman. Aber Oregon ist weit, der Weg erweist sich als sehr viel härter als angenommen. Sollen sie nicht doch lieber nach Kalifornien, die leichtere Route einschlagen?

Die Kinder der deutschstämmigen Familie Sager, Waisen nach dem Tod von Vater und Mutter, die den strapaziösen Weg nach Westen nicht überlebt haben, träumen den Traum der Eltern vom gelobten Oregon. Sie sind entsetzt, als der Treck beschließt, doch lieber den sicheren Weg, nach Kalifornien, zu nehmen.

Und sie beschließen: Dann gehen wir eben alleine weiter. Weiterlesen „An Rutgers: Die Kinderkarawane“

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Robert Galbraith: The „Strike“-Series

Krimis waren noch nie so meins. Und die Krimi-Reihe von Joanne K. Rowling aka Robert Galbraith um den privaten Ermittler Cormoran Strike und seine tüchtige Assistentin Robin wird das leider auch nicht ändern.

Wobei ein paar Dinge ja auch durchaus klappen. Weiterlesen „Robert Galbraith: The „Strike“-Series“

erzählend, Junge Leser

Angie Thomas: The Hate U Give

Mit dreizehn fanden wir Tupac eine Zeitlang total cool, Rapper, USA, Gefängnis und so. Wovon genau er sang, verstanden wir allerdings nicht ganz, unser Englisch war zu schlecht.

Vielleicht höre ich ja jetzt aber nochmal in ein paar Alben von ihm rein, und daran ist Angie Thomas schuld mit ihrem Jugendroman „The hate u give“. Weiterlesen „Angie Thomas: The Hate U Give“

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Ian McEwan: Sweet Tooth

Der Spionage-Roman „Sweet Tooth“ nimmt die Aktivitäten des MI5 im England der 1970er-Jahre in den Blick und zerlegt die ganze Institution mitsamt ihren eifrigen Agenten genüsslich in ihre kleingeistigen, feigen, frauenfeindlichen Einzelteile.
Leider geht es McEwan aber nicht nur um die Entzauberung von Geheimdienst-Klischees. Er hat noch ein anderes, oder besser, eigentliches, Thema, wie in seinem zu Recht gefeierten Roman „Atonement“ auch: Die Wirkungsmacht der Literatur.

Und genau auf dieser, sagen wir, Meta-Ebene gewinnen stereotype Muster – Mann als ordnende Kraft, Frau als naive Streberin – doch wieder die Oberhand. Das ist schade, interessiert doch „Sweet Tooth“ gerade deshalb, weil der Roman zunächst regelrecht feministisch daherkommt. Weiterlesen „Ian McEwan: Sweet Tooth“

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John Reynolds Gardiner: Steinadler

Willys Großvater ist krank. Tag für Tag bleibt er einfach im Bett liegen, ohne sich zu rühren, ohne zu sprechen. Erst als im Auftrag des Staats Wyoming einer von den „Stadtgecken“, wie der Großvater sie immer nennt, vor der Tür steht, das Lächeln dünn, die Zigarre dick, und 500 Dollar Steuernachzahlung fordert, versteht Willy den Grund dafür. 500 Dollar, sonst ist die Farm weg, auf der sie leben, Willy, der Großvater, und die treue Hündin Spürnase.

Ein Glück, dass es Spürnase gibt. Mit ihr zusammen kann Willy die Felder der Farm umpflügen, oder zum Vergnügen stundenlang mit dem Schlitten durch den Tiefschnee Wyomings sausen, schneller als alle anderen.

Da wird in der Stadt ein Schlittenhunderennen ausgeschrieben, offen für jeden, der es sich zutraut. Preisgeld: 500 Dollar.

Wäre da nur nicht Steinadler, der riesige, schweigsame Indianer. Auch er hat sich fürs Rennen angemeldet, und auf den Farmen der Umgebung tuscheln sie, dass er bisher noch nie verloren hat … Weiterlesen „John Reynolds Gardiner: Steinadler“