Übersicht, reihenweise, Sunday's choice

Sunday’s Choice

Diesmal: Bücher, die im Sommer spielen! Logischerweise. Denn da draußen ist ja schließlich Sommer. Und was für einer. Weiterlesen „Sunday’s Choice“

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Übersicht, sachlich

Roberto Saviano: Gomorrha

https://www.dtv.de/_cover_media/450b/9783423345293.jpg?20160624220601Am besten stirbt man durch einen Schuss in den Kopf, erklärt der kleine Junge dem Journalisten. Dann ist nämlich alles vorbei, bumm, mit einem Schlag! Ins Herz, das ist nicht gut: „Da stirbst du doch erst nach zehn Minuten.“
Wo die Camorra das Sagen hat, in den armen Stadtteilen von Neapel zum Beispiel, gehört der gewaltsame Tod zum Alltag. Seit ich geboren bin, rechnet Saviano vor, also in 26 Jahren, haben 3600 Menschen in den Kriegen zwischen den Mafia-Clans das Leben verloren. Erschossen, erschlagen, verbrannt, erdrosselt. Mit dem Falschen Geschäfte gemacht. Mit dem Falschen geschlafen. Einen Querschläger abgekriegt. Weiterlesen „Roberto Saviano: Gomorrha“

Leckere Auslage in Londons nobler neighborhood.
Übersicht, englisch, erzählend, Junge Leser, Sunday's choice

Sunday’s Choice

Und wieder einmal: Meine Wahl für diesen Sonntag! Denn: Eine weitere 80-Stunden-Woche steht kurz bevor. In dieser Stunde der Not gibt es bei der Bücherflocke ausgewählte Buch-Pralinen für hungrige Leserherzen. 

Walfische! In letzter Zeit war hier häufiger von ihnen die Rede. Die folgende Auswahl versteht sich als Huldigung an diese buchstäblich kolossalen Säugetiere. Weiterlesen „Sunday’s Choice“

Übersicht, erzählend

Christine Nöstlinger ist gestorben …

… und das ist sehr traurig. Die Welt minus eine kluge Stimme aus Österreich. Kann sich dieses Land auch nicht wirklich leisten momentan.

Als ich noch vom Alter her zu Nöstlingers Zielgruppe zählte, mochte ich ihre Bücher nicht. Sie waren mir zu nah an meiner eigenen Realität, von der es schon mehr als genug gab. Ich las damals lieber Fantasie-Geschichten (keine Ahnung, ob es den Begriff „Fantasy“ damals schon gab).

Erst seit ich erwachsen bin, mag ich Nöstlingers Bissigkeit und das breite Grinsen in jedem Buch. Die Spießer, die Braven, die Eifrig-Normalen: Nöstlinger schreibt gegen sie an, unermüdlich, und das ist klasse.

Meine Lieblingstitel wären:

Das Austauschkind. Ewalds brave Eltern sind sehr besorgt ob der Englischkenntnisse ihres Sohnes. Um seine Aussprache zu verbessern, bestellen sie für die Sommerferien ein Austauschkind. Ewald hat darauf keine Lust, und seine wilde Schwester auch nicht. Bis Jasper aus England bei ihnen eintrifft. Jasper ist dick, isst Chips, redet wenig, wäscht sich nicht. Die Eltern: Entsetzt. Die Kinder: Begeistert. Nach und nach verschieben sich die Wertmaßstäbe in Ewalds Zuhause, immer weiter weg vom bürgerlichen Biedermeier – und hin zu immer mehr Verständnis für Jasper, der einige, traurige, Gründe hat, so zu sein, wie er ist …

Konrad oder das Kind aus der Konservenbüchse. Frau Berti Bartolotti macht, was sie will. Lebt alleine, schminkt sich bunt, hat einen Apotheker als Lover. Und pflegt ihre Leidenschaft, relativ wahllos aus Katalogen Dinge zu bestellen. Und eines Tages gibt es da eine Verwechslung: Die Post schickt Frau Bartolotti das Paket mit einer Konservendose. Darin sitzt Konrad, verschickt von einer Firma, die auf Bestellung perfekt brave Instant-Kinder ins Haus liefert. Konrad ist auch so einer. Und Frau Bartolotti muss ab jetzt irgendwie mit ihm klarkommen …

Wir pfeifen auf den Gurkenkönig. Fast wie in Kafkas „Verwandlung“ wird hier eine Familie aufgestört durchs Auftauchen eines Fremdkörpers – anders als bei Kafka allerdings kein Familienmitglied, das zum Käfer mutiert, sondern wirklich eine Kreatur von außen: Eine Gurke. Nein: Der König der Gurken! Er trägt eine Krone und weiße Handschuhe. Er redet sonderbar geschraubt, und er will nichts weniger, als dass die ganze Familie ab jetzt nach seiner Pfeife tanzt. Und diese bis dahin (nach außen) so perfekte Familie steht bald völlig kopf angesichts dieser gurkigen Herausforderung …

 

Übersicht, sachlich

Ahmad Mansour: Generation Allah. Warum wir im Kampf gegen religiösen Extremismus umdenken müssen.

Zum Beispiel. Nach einem terroristischen Anschlag in Paris sucht eine junge Lehrerin, selbst noch tief erschüttert, das Gespräch mit ihrer Klasse. Wie fühlen sie sich, nachdem etwas so Schreckliches passiert ist?
Aber die mehrheitlich muslimischen Mädchen und Jungen haben mit dem Anschlag kein Problem. Sie jubeln geradezu. Endlich tut mal einer was! Und auch noch so viele Juden unter den Opfern – super. „Die haben den Propheten gerächt!“ Die Lehrerin hält es nicht aus. Sie flieht aus dem Klassenraum, ins Lehrerzimmer, ans Telefon und ruft die Polizei.
Ahmad Mansour kann über Szenen wie diese nur den Kopf schütteln. Weiterlesen „Ahmad Mansour: Generation Allah. Warum wir im Kampf gegen religiösen Extremismus umdenken müssen.“

Übersicht, erzählend

Nick Hornby: Miss Blackpool

Ach, Hornby. Mit „Miss Blackpool“ hat er sich irgendwie vergaloppiert.
Am Plot liegt es nicht: Gewohnt charmant, gewohnt britisch. Der Autor nimmt sich nämlich das fröhlichste aller englischen Phänomene vor, die „Swinging Sixties“. Weiterlesen „Nick Hornby: Miss Blackpool“

Übersicht, Debüts, englisch

Trevor Noah: Born a Crime.

Längst ist die pechschwarze südafrikanische Nacht hereingebrochen, als sich die kleine Familie nach einem langen Sonntag – Sonntage verbringt man in der Kirche, so ist das eben – nach Hause schleppt: Die Mutter, der neunjährige Sohn, das Baby. Sie nehmen einen Minibus, obwohl man Minibus-Fahrern nicht trauen kann. Weiterlesen „Trevor Noah: Born a Crime.“

Übersicht, Texte

Der Marquis de Sade und das Schreiben von Texten

Es gibt da einen historischen Film, in dem sie Marquis de Sade, dem schlimmen Finger mit seinen Sado-Maso-Phantasien, endgültig das Schreiben verbieten und ihn ins Gefängnis werfen. Feder, Tinte, Pergament, nichts davon darf zum Marquis in die Zelle kommen. Er macht aber natürlich trotzdem weiter mit dem Schreiben. Die Halme aus seinem Strohsack legt er zu Buchstaben. Aus den Brotkrümeln der mageren Gefängniskost streut er seine Botschaften auf den Steinboden. Mit seinem Blut malt er an die Mauern, was er zu sagen hat.

Aus den Erinnerungen an diesen Film kehre ich in die Gegenwart zurück, in der ich ebenfalls mit dem Schreiben beschäftigt bin. Weiterlesen „Der Marquis de Sade und das Schreiben von Texten“

Mehr Bücher
Übersicht

Why we tell stories …

Was haben „Der Weiße Hai“ und das „Beowulf“-Epos1 gemeinsam?

Das Handlungsmuster ist das gleiche, sagt Christopher Booker.

Nämlich: Es gibt ein Monster. Monster plagt Menschen in nahegelegener Siedlung. Auftritt des Helden. Held jagt dem Monster mutig hinterher, großer Endkampf, Monster wird erledigt, Menschen in Siedlung atmen auf.

Fertig ist das Handlungsmuster „Das Monster töten“.

Booker zufolge gibt es sieben dieser Muster insgesamt. Weiterlesen „Why we tell stories …“