Freiheitsstatue
Übersicht, englisch, sachlich

Barack Obama: A promised land

Bovald Rump ist endlich weg, und es sieht ganz so aus, als würde sich die Obama-Ära nahtlos fortsetzen, mit seinem ehemaligen Vize an der Spitze. Da kommt „A promised land“, Obamas Rückblick auf politischen Werdegang und erste Jahre im Weißen Haus, gerade recht. Weiterlesen „Barack Obama: A promised land“

Übersicht, englisch, erzählend, Junge Leser

American Dreams (8)

In meinem Bücherregal herrscht Partystimmung schon seit Tagen, die amerikanischen Titel geben einen aus, Geschichtsbücher tanzen mit Wörterbüchern, Romane mit Biographien, die Kinderbücher dürfen extra länger aufbleiben, es ist großartig.

Bei dem Lärm kann ich mich kaum auf die acht Titel meiner Wahl konzentrieren, die „American Dreams“ beenden sollen – in weitaus hoffnungsvollerer Stimmung als beim Start dieser Reihe vor vier Jahren.

Dorothy Canfield Fisher: Das allerbeste Apfelmus. Betsy, bei ihren überängstlichen Helikopter-Tanten aufgewachsen, verschlägt es zu entfernten Verwandten auf eine Farm in Vermont, über die sie bisher nur Schauergeschichten gehört hat. Völlig zu Unrecht: Durch die gütige, ruhige Art von Tante, Onkel und Kusine, die Betsy einfach machen lassen und ihr vieles zutrauen, wird aus dem ängstlichen Kind eine eigenständige, starke Person. Doch dann will ihre Tante sie wieder zurückholen … Als Kind bin ich ganz zufällig an das Buch geraten und habe es geliebt, ohne zu wissen, wie berühmt die Autorin, Aktivistin, Frauenrechtlerin, beste Freundin von Willa Cather, in den USA ist. Meinen Recherchen zufolge leider nur noch antiquarisch erhältlich.

John Reynolds Gardiner: Steinadler. Ein Schlittenhunde-Rennen, in dem es um alles geht. Mit dabei: Ein kleiner Junge und seine treuer Hündin Spürnase, die mit dem Preisgeld Großvaters Farm retten wollen. Ein schweigsamer Indianer, der für sein Volk kämpft. Und beim Showdown im Tiefschnee, kurz vor der Ziellinie, entscheidet sich alles …

Curtis Sittenfeld: Eine Klasse für sich. Ach, mal wieder so ein netter Teenie-Roman – dachte ich. Sittenfelds Internatsgeschichte lässt das weit hinter sich und schildert die Geschichte von Lee aus Indiana, die an der vornehmen Prep-School an der Ostküste einfach keinen Fuß auf den Boden kriegt zwischen all den reichen, selbstbewussten, von Geburt an auf Entscheidungsträger getrimmten Kids so klug und eindrücklich, dass man hinterher weiß: Das ist es, so war es, so fühlt es sich an.

Louise Erdrich: Ein Lied für die Geister. Wie weiterleben, wenn das Schlimmste passiert ist? Landreaux Iron, ein Ojibwa, erschießt auf der Jagd versehentlich den kleinen Dusty, den Sohn der Nachbarsfamilie. In der Verzweiflung besinnen sich die Irons auf eine alte Ojibwa-Tradition und übergeben ihren eigenen Sohn der trauernden Familie: Ab jetzt soll unser Sohn euch gehören! Vor dem Hintergrund des harten Alltags in der Reservation, wo es schwer hat, wer einfach ein normales (Familien-)Leben führen will, schildert Erdrich, wie durch diese brutale Entscheidung langsam ein Heilungsprozess in Gang gesetzt wird, der es den Figuren ermöglicht, schrittweise aus der Trauer zurück ins Leben zu finden. (Leider vergriffen, meldet der Verlag. Aber Ihr-wisst-schon-wo gibt es das bestimmt).

Jonathan Franzen: Schweres Beben. Rätselhafte Beben erschüttern in Franzens Roman nicht nur die Erde, sondern auch das Familienleben einer zerstrittenen Sippe: Familie Holland verliert die Großmutter bei einem Erdbeben, und nun ist der Streit ums Erbe im vollen Gang. Ob die Liebe zwischen Louis Holland und Renée, die als hartnäckige Seismologin gefährlich nah an die Ursache der Beben kommt, vor diesem Abgrund an Habgier, Eifersucht und offenem Hass überhaupt eine Chance hat? Ein Roman aus Franzens bester Zeit (inzwischen macht er mich, inklusive „Unschuld“ und schlecht fundierten Äußerungen zur Klimakrise, eher ratlos).

Ottesha Moshfegh: My year of rest and relaxation. Schön, jung und reich ist sie, die Hauptfigur, ein Abschluss in Kunstgeschichte, ein Apartment in Manhattan. Aber die innere Leere kann sie nicht füllen. Schritt eins: Nur noch rausgehen, um Kaffee bei Starbucks zu holen. Schritt zwei: Drogen. Rund um die Uhr, um endlich mal anständig schlafen zu können. Nach einem Jahr wird dann alles besser und anders sein … Aus meiner Sicht definitv ein Schocker, der amüsanten Art zwar, aber trotzdem. Bitte dazwischen eine Pause machen und irgendwas Nettes, Normales lesen, die aktuelle „Brigitte“ vielleicht:-)

Kein Buch, aber trotzdem (und bitte kein Wort davon an meine Bücher, für die ist „Netflix“ nämlich ungeliebtes Reizwort):

Dear White People. Die Netflix-Eigenproduktion setzt sich im bewusst albernen Sitcom-Stil damit auseinander, was es in den heutigen USA heißt, schwarz zu sein – und zwar, Schock!, aus der Perspektive der Schwarzen. Auf dem Campus einer Elite-Universität löst die Radiosendung „Dear White People“ der frechen Moderatorin Samantha White heftige Debatten aus. Nicht alles, aber wirklich das meiste ist überragend gut und lustig. Die Film-Crew kriegt wohl bis heute Morddrohungen. Welcome to reality.

Übersicht, englisch, erzählend, Junge Leser

Marcus Sedgwick: My swordhand is singing

Eiskalt ist es in Sedgwicks Roman, der irgendwo weit im Osten spielt, Rumänien vielleicht, und es herrscht bitterer Winter, und es ist nicht mehr ganz das tiefe Mittelalter, aber von Aufklärung und Moderne kann auch keine Rede sein. Stattdessen Wald, schwarz-weißer Birkenwald, und tiefer Schnee, so weit das Auge reicht.

Wald kann Zuflucht bieten und im Frühling und Sommer wunderschön sein. Aber in Sedgwicks verfluchtem Winter mit der lauernden Stille zwischen den Bäumen wird er zur Todesfalle. Schon auf den ersten Seiten wird Blut in den weißen Schnee tropfen und es den ersten Toten geben. Und den ersten Untoten. Weiterlesen „Marcus Sedgwick: My swordhand is singing“

Übersicht, englisch, erzählend

Robert Galbraith: The „Strike“-Series

Krimis waren noch nie so meins. Und die Krimi-Reihe von Joanne K. Rowling aka Robert Galbraith um den privaten Ermittler Cormoran Strike und seine tüchtige Assistentin Robin wird das leider auch nicht ändern.

Wobei ein paar Dinge ja auch durchaus klappen. Weiterlesen „Robert Galbraith: The „Strike“-Series“

Übersicht, englisch, erzählend

Ian McEwan: Sweet Tooth

Der Spionage-Roman „Sweet Tooth“ nimmt die Aktivitäten des MI5 im England der 1970er-Jahre in den Blick und zerlegt die ganze Institution mitsamt ihren eifrigen Agenten genüsslich in ihre kleingeistigen, feigen, frauenfeindlichen Einzelteile.
Leider geht es McEwan aber nicht nur um die Entzauberung von Geheimdienst-Klischees. Er hat noch ein anderes, oder besser, eigentliches, Thema, wie in seinem zu Recht gefeierten Roman „Atonement“ auch: Die Wirkungsmacht der Literatur.

Und genau auf dieser, sagen wir, Meta-Ebene gewinnen stereotype Muster – Mann als ordnende Kraft, Frau als naive Streberin – doch wieder die Oberhand. Das ist schade, interessiert doch „Sweet Tooth“ gerade deshalb, weil der Roman zunächst regelrecht feministisch daherkommt. Weiterlesen „Ian McEwan: Sweet Tooth“

Übersicht, Debüts, englisch, erzählend

Tara Westover: Educated

Zwei rote Tabletten liegen vor Tara auf dem Tisch. Ibuprofen. Seit Tagen hat sie Schmerzen im Ohr, eine Entzündung wahrscheinlich. „Jetzt nimm schon,“ sagt der Freund. Aber Tara zögert. Medikamente sind Teufelswerk. Das Gesundheitssystem kontrollieren die Illuminaten. Wer Tabletten nimmt, kann keine gesunden Kinder zur Welt bringen …

Tara Westover, die mit „Educated“ ihr autobiographisches Debüt veröffentlicht, ist als Mormonin im US-Bundesstaat Idaho aufgewachsen. In ihrer Familie wird nur akzeptiert, wer sich den Glaubenslehren bedingungslos unterwirft, auch wenn dies ein Leben jenseits aller Normalität bedeutet.

Die treibende Kraft hinter diesem Fanatismus ist Taras Vater. Erst als Studentin an der Brigham-Young-Universität, einer mormonischen Institution, wo ein eher gemäßigter Glaube gelebt wird, wird Tara verstehen, dass dessen Verfolgungswahn („Das Militär wird uns unsere Kinder nehmen und sie in staatliche Schulen zwingen! Wir müssen uns bewaffnen!“), seine unberechenbaren Launen, die stundenlangen fanatischen Predigten auf eine bipolare Störung zurückzuführen sind, die sich behandeln ließe – würde die Familie nur an Ärzte glauben.

Auch an Bildung glaubt bei Tara zu Hause niemand. Weiterlesen „Tara Westover: Educated“

Leckere Auslage in Londons nobler neighborhood.
Übersicht, englisch, erzählend, Junge Leser, Sunday's choice

Sunday’s Choice

Und wieder einmal: Meine Wahl für diesen Sonntag! Denn: Eine weitere 80-Stunden-Woche steht kurz bevor. In dieser Stunde der Not gibt es bei der Bücherflocke ausgewählte Buch-Pralinen für hungrige Leserherzen. 

Walfische! In letzter Zeit war hier häufiger von ihnen die Rede. Die folgende Auswahl versteht sich als Huldigung an diese buchstäblich kolossalen Säugetiere. Weiterlesen „Sunday’s Choice“

Debüts, englisch, erzählend

Kathryn Stockett: The Help

Der Sommer ist da, mein heimisches Kino zeigt „Feel Good Movies“. Mit dabei „The Help“, die Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Kathryn Stockett.
Interessant. „The Help“ spielt im US-Bundesstaat Mississippi, in den sechziger Jahren, und das war ganz sicher kein „Feel Good“. Weiterlesen „Kathryn Stockett: The Help“

Übersicht, Debüts, englisch

Trevor Noah: Born a Crime.

Längst ist die pechschwarze südafrikanische Nacht hereingebrochen, als sich die kleine Familie nach einem langen Sonntag – Sonntage verbringt man in der Kirche, so ist das eben – nach Hause schleppt: Die Mutter, der neunjährige Sohn, das Baby. Sie nehmen einen Minibus, obwohl man Minibus-Fahrern nicht trauen kann. Weiterlesen „Trevor Noah: Born a Crime.“

Leckere Auslage in Londons nobler neighborhood.
Übersicht, Debüts, englisch, erzählend, Graphic Novel, Junge Leser, reihenweise, Sunday's choice

Sunday’s choice

Sonntag: Die nächste 80-Stunden-Woche dräut. Gegen den bitteren Alltag verteilt Sunday’s choice ausgewählte Pralinen aus dem Bücherregal an hungrige Leserherzen.

Ian McEwan: Atonement. Nach Chrisopher Nolans Adrenalinstoß „Dunkirk“ musste ich hier wieder reinschaun. Dünkirchen, dieser merkwürdige Sieg-und-doch-nicht-Sieg des Zweiten Weltkriegs, gleich doppelt geschildert: Aus der Sicht eines englischen Soldaten, der die Flucht des britischen Expeditionsheers bis an die Küste mitmacht, und aus der einer jungen Krankenschwester, über deren Londoner Hospital die Dünkirchen-Katastrophe hereinbricht in Form von Hunderten schwerverletzter Soldaten.

Teju Cole: Every Day is for the Thief. Nach Adichies „Americanah“ eine weitere Stimme aus Nigeria: Coles Ich reist aus den USA, seiner Wahlheimat, zurück ins nigerianische Lagos. Seine Beobachtungen und Erfahrungen driften immer wieder vom Dokumentarischen ins Poetische, Literarisierende, was man mögen kann, aber nicht muss (liest sich zuweilen wie eine Paraphrase von „Ich bin ein großer Schriftsteller“). „Jeder Tag“ liefert fesselnde, häufig ziemlich üble Einblicke in den Moloch Lagos, der ebenso von Korruption und Gewalt in die Knie gezwungen wie von Kunst, Kultur und Zähigkeit am Leben erhalten wird.

Deborah Feldman: Exodus. Der zweite Roman nach dem autobiographischen „Unorthodox“, das mit der jüdisch-orthodoxen Satmarer Sekte abrechnete und der Autorin Morddrohungen einbrachte. Sehr viel weniger überzeugend, aber ich gebe dem Verlag die Schuld: Man sieht regelrecht vor sich, wie sie die junge Autorin dazu zwingen, möglichst bald nachzuliefern, solange die aus dem furchtlosen Debüt gewonnene Aufmerksamkeit noch anhält … Oder es liegt einfach an der Faustregel „zweiter Roman schwerster Roman“.

Lian Hearn: Heaven’s net is wide. Der Regen der letzten Wochen hat mich wieder auf die Spur dieses Fantasy-Titels gebracht, der eine fürs emotional eher im Hölzernen beheimateten Genre erstaunlich zarte Szene vorweisen kann: Der große Krieger und seine geheime Geliebte treffen sich in einem einsamen Tempel und lieben sich, während der Regen herabstürzt, ein silberner Vorhang, der das Paar für ein paar magische Stunden abschirmt von der Welt. „Heaven’s net“ ist das Prequel von Hearns Japan-Trilogie für junge Leser.

Und zum Schluss?

René Goscinny/Morris: Lucky Luke: Calamity Jane. Ja, beim Teutates, eigentlich bin ich im Asterix-Lager eher zu Hause als im Wilden Westen. Aber wo sich René Goscinny für den Mann, der schneller schießt als sein Schatten, ins Zeug gelegt hat, wie eben im Fall der Begegnung (fast eine Romanze, trotz Calamitys Knollennase) zwischen Lucky Luke und der ungehobelten Desperada Calamity Jane („Du hast mir das Leben gerettet, Luke … Falls noch ne Flasche heil ist, spendier ich ne Runde!“) kann schon wie im antiken Gallien nichts schiefgehen.