Leckere Auslage in Londons nobler neighborhood.
Übersicht, Debüts, englisch, erzählend, Graphic Novel, Junge Leser, reihenweise, Sunday's choice

Sunday’s choice

Sonntag: Die nächste 80-Stunden-Woche dräut. Gegen den bitteren Alltag verteilt Sunday’s choice ausgewählte Pralinen aus dem Bücherregal an hungrige Leserherzen.

Ian McEwan: Atonement. Nach Chrisopher Nolans Adrenalinstoß „Dunkirk“ musste ich hier wieder reinschaun. Dünkirchen, dieser merkwürdige Sieg-und-doch-nicht-Sieg des Zweiten Weltkriegs, gleich doppelt geschildert: Aus der Sicht eines englischen Soldaten, der die Flucht des britischen Expeditionsheers bis an die Küste mitmacht, und aus der einer jungen Krankenschwester, über deren Londoner Hospital die Dünkirchen-Katastrophe hereinbricht in Form von Hunderten schwerverletzter Soldaten.

Teju Cole: Every Day is for the Thief. Nach Adichies „Americanah“ eine weitere Stimme aus Nigeria: Coles Ich reist aus den USA, seiner Wahlheimat, zurück ins nigerianische Lagos. Seine Beobachtungen und Erfahrungen driften immer wieder vom Dokumentarischen ins Poetische, Literarisierende, was man mögen kann, aber nicht muss (liest sich zuweilen wie eine Paraphrase von „Ich bin ein großer Schriftsteller“). „Jeder Tag“ liefert fesselnde, häufig ziemlich üble Einblicke in den Moloch Lagos, der ebenso von Korruption und Gewalt in die Knie gezwungen wie von Kunst, Kultur und Zähigkeit am Leben erhalten wird.

Deborah Feldman: Exodus. Der zweite Roman nach dem autobiographischen „Unorthodox“, das mit der jüdisch-orthodoxen Satmarer Sekte abrechnete und der Autorin Morddrohungen einbrachte. Sehr viel weniger überzeugend, aber ich gebe dem Verlag die Schuld: Man sieht regelrecht vor sich, wie sie die junge Autorin dazu zwingen, möglichst bald nachzuliefern, solange die aus dem furchtlosen Debüt gewonnene Aufmerksamkeit noch anhält … Oder es liegt einfach an der Faustregel „zweiter Roman schwerster Roman“.

Lian Hearn: Heaven’s net is wide. Der Regen der letzten Wochen hat mich wieder auf die Spur dieses Fantasy-Titels gebracht, der eine fürs emotional eher im Hölzernen beheimateten Genre erstaunlich zarte Szene vorweisen kann: Der große Krieger und seine geheime Geliebte treffen sich in einem einsamen Tempel und lieben sich, während der Regen herabstürzt, ein silberner Vorhang, der das Paar für ein paar magische Stunden abschirmt von der Welt. „Heaven’s net“ ist das Prequel von Hearns Japan-Trilogie für junge Leser.

Und zum Schluss?

René Goscinny/Morris: Lucky Luke: Calamity Jane. Ja, beim Teutates, eigentlich bin ich im Asterix-Lager eher zu Hause als im Wilden Westen. Aber wo sich René Goscinny für den Mann, der schneller schießt als sein Schatten, ins Zeug gelegt hat, wie eben im Fall der Begegnung (fast eine Romanze, trotz Calamitys Knollennase) zwischen Lucky Luke und der ungehobelten Desperada Calamity Jane („Du hast mir das Leben gerettet, Luke … Falls noch ne Flasche heil ist, spendier ich ne Runde!“) kann schon wie im antiken Gallien nichts schiefgehen.

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Bücher zur Lage, englisch, erzählend, reihenweise

American Dreams (5): Lily Brett: You gotta have balls

Ruth Rothwax hat es schon mit sich allein nicht sonderlich leicht, da beschließt auch noch ihr Vater Edek, mit seinen 87 Jahren zu ihr nach New York zu ziehen.

Im Gegensatz zur zögerlichen, neurotischen Tochter platzt Edek vor Tatendrang. Mit Lesezirkeln oder Seniorenschwimmen darf man ihm schon gar nicht kommen. Edek möchte nützlich sein. Beispielsweise in Ruths kleinem Büro, das aus seiner Sicht nichts nötiger braucht als reduzierte Schreibwaren für die nächsten fünf Jahre und Staubsauger mit integriertem Navigationssystem.
Nach Feierabend wird Edek mit zwei bedeutend jüngeren, verdächtig hübschen Polinnen gesehen.
Und eines schönen Abends verkünden diese drei, freudestrahlend: Ruthie! Wir wollen ein Klopse-Restaurant eröffnen. Leihst du uns 30.000 Dollar? Weiterlesen „American Dreams (5): Lily Brett: You gotta have balls“

Leeres Klassenzimmer
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American Dreams (4): Jodi Picoult: 19 minutes

Chaos was a constellation of students, running out of the school and trampling the injured. A boy holding a handmade sign in an upstairs window that read HELP US. Two girls hugging each other and sobbing. Chaos was blood melting pink on the snow, […] a TV camera in your face, not enough ambulances, not enough officers, and no plan for how to react when the world as you knew it went to pieces.

Der Frühling steht vor der Tür im beschaulichen Kleinstädtchen Sterling, New Hampshire. Die Sonne scheint, der letzte Schnee schmilzt, vor der Sporthalle der Sterling High School knutschen die jungen Hockey-Athleten aus dem Schulteam mit ihren Freundinnen rum. Und an eben dieser Sterling High zieht am gleichen Tag Peter Houghton, 17 Jahre alt, mit seiner Pumpgun durch Flure und Klassenräume und schießt auf alle, die nicht schnell genug fliehen können. In der Cafeteria legt er eine kurze Pause ein und isst zwischen den Leichen seiner Mitschüler eine Schüssel Cornflakes mit Milch. Dann macht er weiter. 19 Minuten dauert es, bis die Polizei ihn stoppen kann.

Grisham reloaded?

Kaum ein Roman der fleißig schreibenden Bestseller-Autorin Picoult kommt ohne Gerichtsverhandlung aus, und auch „19 minutes“ ist im Wesentlichen ein spannendes courtroom drama à la Grisham oder Clancy. Weiterlesen „American Dreams (4): Jodi Picoult: 19 minutes“

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American Dreams (3): Lauren Weisberger: Last Night at Chateau Marmont

 Last Night at Chateau Marmont Paperback by Lauren WeisbergerHe was there, he was taking charge, and she was just so happy to follow his lead.

Um herauszukriegen, wie sich Bestseller vom Chick-Lit-Typ dieser Tage mit Themen wie „Männer“,“Liebe“ und „Work-Life-Balance“ auseinandersetzen, kann man, zum Beispiel, bei Lauren Weisbergers Romanen starten. Und es dann so richtig mit der Angst bekommen. Aber eins nach dem anderen. Weiterlesen „American Dreams (3): Lauren Weisberger: Last Night at Chateau Marmont“

Bücher zur Lage, Debüts, englisch, erzählend, reihenweise

American Dreams (2): David Guterson: Snow falling on cedars

https://i1.wp.com/media.bloomsbury.com/rep/s/9781408806760.jpgAmity Harbor, the island’s only town, […] was an eccentric, rainy, wind-beaten sea village. […] Rain, the spirit of the place, patiently beat down everything man-made.

Guterson zeigt uns eine USA off the beaten track: Sein Kriminalroman spielt im äußersten Nordwesten, auf der entlegenen Insel San Piedro vor der Küste des Bundesstaats Washington.

Es sind die 1950er-Jahre. Der Zweite Weltkrieg ist zum Glück vorbei, und die Handvoll Menschen auf San Piedro, Weiße, ein paar Indianer, japanische Einwanderer, kann weitermachen wie bisher: Fischfang oder Erdbeer-Anbau, und einmal im Jahr zur Feier der Ernte das große Erdbeerfest mit einem bunten Umzug durchs Städtchen.

Dann geht eines Tages den Fischern einer der ihren als Wasserleiche ins Netz. Ein Unfall? Es sieht nicht danach aus … Weiterlesen „American Dreams (2): David Guterson: Snow falling on cedars“

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American Dreams (1): Chimamanda Ngozi Adichie: Americanah

„The simplest solution to the problem of race in America? Romantic love. […]. Real deep romantic love […] that makes you breathe through the nostrils of your beloved. And because that real deep romantic love is so rare, and because American society is set up to make it even rarer between American Black and American White, the problem of race in America will never be solved.“

https://images-na.ssl-images-amazon.com/images/I/51rLCn2j0iL._SX322_BO1,204,203,200_.jpgIfemelu will sich das Haar neu flechten lassen. Das bedeutet notgedrungen eine Expedition in den schlechten Teil der Stadt, zu „Mariama African Hair Braiding“ – schlechte Luft, Uralt-Klimaanlage, abgegriffene Modemagazine, handgemalte Schilder „Quick Tax Refund“, die Friseurinnen radebrechen etwas, das sie für Englisch halten, und aus dem Mini-Fernseher plärren Nollywood-Filme in Endlosschleife. Weiterlesen „American Dreams (1): Chimamanda Ngozi Adichie: Americanah“

englisch, Junge Leser

Celia Rees: Pirates!

An einem trüben Regentag sticht im Hafen von Bristol ein Dreimaster in See. Trüb wie das Wetter sieht es auch für die junge Nancy an Bord des Seglers aus: Nach dem Tod des Vaters schickt man sie ins ferne Jamaica, wo die Familie Ländereien besitzt, einer ungewissen Zukunft entgegen. Ob sie William, ihre wahre Liebe, je wiedersehen wird? Weiterlesen „Celia Rees: Pirates!“

englisch, erzählend

Ian McEwan: Atonement

Ein heißer Sommertag im England des Jahres 1935. In der stattlichen Villa der Familie Tallis, im weitläufigen Park scheinen die bedrohlichen Entwicklungen in Nazi-Deutschland und der bevorstehende Krieg weit weg zu sein.
Die älteste Tallis-Tochter, Cecilia, vertreibt sich die Zeit mit vagen Zukunftsplänen und damit, dem gutaussehenden Robbie, ihrem Spielgefährten aus Kindertagen, aus dem Weg zu gehen.
Ihre kleine Schwester Briony, fest entschlossen, später einmal Schriftstellerin zu werden, nimmt derweil auf der Suche nach erzählenswerten Inhalten ihre Umgebung genau unter die Lupe – ohne dabei aber alt genug zu sein, aus zufälligen Beobachtungen die richtigen Schlüsse zu ziehen. Was, zum Beispiel, hat es nur zu bedeuten, dass Robbie und Cecilia in letzter Zeit so ganz anders als gewohnt miteinander umgehen? Was tun die beiden draußen am Brunnen, wieso nur zieht Cecilia sich, vor den Augen von Robbie, plötzlich die Kleider aus und steigt, fast nackt!, ins Wasser?!

In der schwülen Nacht, die auf den ungewöhnlich heißen Tag folgt, wird etwas Schlimmes geschehen. Alle werden sich, gemeinsam mit der Polizei, um Aufklärung bemühen und für jeden Hinweis dankbar sein – die große Stunde von Briony, die der Versuchung nicht widerstehen kann, den Erwachsenen ihre ganz eigene, für die gerade erst begonnene Liebesgeschichte von Robbie und Cecilia katastrophale Version der Ereignisse zu präsentieren … Weiterlesen „Ian McEwan: Atonement“

Debüts, englisch, erzählend

Chimamanda Ngozi Adichie: Purple Hibiscus

Nigeria, die 1990er Jahre. Die 15-jährige Kambili und ihr Bruder Jaja lieben ihren Vater – und sie fürchten ihn: Hinter der Fassade des jovialen Patriarchen verbirgt sich ein fanatisch frommer Tyrann.

Eines Tages gelingt es der warmherzigen Tante Ifeoma, die Geschwister für einen Kurzbesuch zu sich zu holen. Die wenigen Tage in ihrem fröhlichen Haushalt vermitteln der schüchternen Kambili und dem stillen Jaja zum ersten Mal im Leben eine Ahnung von einem freien Leben nach eigenen
Vorstellungen, ganz ohne Angst und Gewalt.
Und als sie der Vater wieder nach Hause holt, bringt es vor allem Jaja nicht mehr über sich, weiterhin den gehorsamen Sohn zu spielen … Weiterlesen „Chimamanda Ngozi Adichie: Purple Hibiscus“

englisch, erzählend

Frank McCourt: Angela’s Ashes

cvr9780684842677_9780684842677_hrIrisch, arm und katholisch ist die Kindheit und Jugend von Frank McCourt im Limerick der 1930er Jahre, und das Mörderische dieser Kombination fasst der Autor gleich zu Beginn seiner Erinnerungen in der lakonischen Bilanz zusammen: „When I look back at my childhood, I wonder how I managed to survive at all.“ Weiterlesen „Frank McCourt: Angela’s Ashes“