mauerblümchen
Übersicht, Texte

Meine schüchternen Wünsche

Wir wollen ja alle auch ganz konkrete Sachen.

Mein Mann möchte japanischen Whisky, mal endlich eine teure Gitarre statt dem Wimmerholz aus der Vorschule, und ein Pamazon-Trime-Abo.
Meine kleine Tochter möchte die Schnallen meiner Schlappen abschlecken, an meiner Brille kauen und eine gut gefüllte Brust in Saughöhe.
Ich selber will meine Zitronenverbene umtopfen und einen japanischen Kimono und ein cooles Café als Arbeitsplatz, wo ich dann meinen Laptop aufklappe und Kaffee trinke und Texte schreibe.
Verbene: kriege ich hin. Kimono: schwieriger, gibt’s hier nirgends, höchstens mal Secondhand in grotesken Übergrößen.

Aber ach, das Café als Arbeitsplatz. Weiterlesen „Meine schüchternen Wünsche“

Übersicht, Texte

Was in dieser Woche dringend passieren sollte

Es sollten ein paar coole Künstlerinnen und Künstler die beiden verrottenden Bauernhäuser am Ende der Straße aufkaufen und zu einem Künstlertreff/Café/Szene-Hotspot umfunktionieren, der sich deutschlandweit gewaschen haben und jede Menge interessantes Volk in unseren entlegenen Winkel der Welt spülen würde.

Es sollte P. mir einen Brief schreiben: „Natürlich erinnere ich mich an die Metapher mit dem Wollknäuel …“

Es sollte ein gutaussehender, geheimnisvoller Auftragskiller vor meiner Tür stehen und circa Folgendes sagen: „Nächste Woche habe ich noch Kapazitäten frei, wie wäre es, wenn ich einen der derzeit schlimmsten Staatsoberhäupter für Sie umlege, das führt dann niemand auf Sie zurück, ach und übrigens, ich möchte die Nacht mit Ihnen verbringen.“

Es sollte sich ein blauer Briefumschlag in meinem Briefkasten befinden, und aus diesem würde Salzwasser auf die Straße tropfen, und die blaue verschnörkelte Schrift darin würde die Botschaft ergeben: „Ich steige zwar kontinuierlich werde aber London aussparen, dachte das wäre in Ihrem Sinn herzlichst Ihr Meeresspiegel“

Es sollte mein rechter oberer Zahn aufhören so komisch wehzutun, das ist ja schon unheimlich allmählich.

Ja, das alles sollte in dieser Woche dringend passieren.

 

 

Übersicht, erzählend, Junge Leser

An Rutgers: Die Kinderkarawane

Der Wilde Westen ist voller wilder Geschichten, und eine davon, die so oder zumindest so ähnlich offenbar tatsächlich stattgefunden hat, erzählt An Rutgers in ihrem klugen Jugendbuch „Die Kinderkarawane“.

Pioniere nannte man ja damals die Männer und Frauen, die sich aufmachten, um den riesigen nordamerikanischen Kontinent zu ihrer Heimat zu machen – dort zu siedeln, Land zu bebauen, Dörfer und Städte zu gründen. Weil sie allein im wilden Land gar keine Chance gehabt hätten, schlossen sie sich zu Trecks zusammen, entschlossene Kolonnen häufig viel zu schwer gebauter Planwagen, voller Kinder, Möbel, Erbstücke.

Der Siedlertreck in der „Kinderkarawane“ will eigentlich nach Oregon, ins wahrhaft gelobte Land, zur Missionsstation des Missionars Whitman. Aber Oregon ist weit, der Weg erweist sich als sehr viel härter als angenommen. Sollen sie nicht doch lieber nach Kalifornien, die leichtere Route einschlagen?

Die Kinder der deutschstämmigen Familie Sager, Waisen nach dem Tod von Vater und Mutter, die den strapaziösen Weg nach Westen nicht überlebt haben, träumen den Traum der Eltern vom gelobten Oregon. Sie sind entsetzt, als der Treck beschließt, doch lieber den sicheren Weg, nach Kalifornien, zu nehmen.

Und sie beschließen: Dann gehen wir eben alleine weiter. Weiterlesen „An Rutgers: Die Kinderkarawane“

Texte

Fliegen lernen

Drei unserer vier Teppiche können fliegen und sind jede Nacht unterwegs.

Schüttle ich sie aus, fliegen mir feine, rötliche Sandkörner ins Gesicht. Wüstensand.

Der schwarz-weiße Berberteppich, noch von meiner Großmutter selig, hat sich gestern frühmorgens gerade noch so wieder ausgerollt in meinem Wohnzimmer, kurz bevor ich reinkam, und lag dann da, als wäre nichts.

Der Kleinste der drei, ein roter Kelim, war an einer Ecke nass gestern früh. Ich wrang ihn aus, und das Wasser war salzig und roch nach Teer. Weiterlesen „Fliegen lernen“

Texte

Garten-Freuden

Mit unserem Garten liegen wir ja derzeit voll im Trend.

Geht man zur unteren Terrassentür raus, läuft man in eine pelzige Wand aus Bienen. Unter allem, Steine, Stühle, sitzen, kaum dreht man sich weg, zack, braune Kröten. Der untere Gartenweg ist traute Heimat einer Blindschleiche, die sich schon auch mal zur Seite ringelt, wenn wir vorbeiwolllen, aber ganz, ganz langsam. Weiterlesen „Garten-Freuden“