Jahrestage, reihenweise

Weihnachts-Flocken (2 von 3)

Bücher verschenken. Wieso eigentlich nicht. Passen unter jeden Baum, riesige Auswahl. Nicht allzu teuer.
Fragen wir doch den Kleinbuchhändler unseres Vertrauens einmal nach …

Robert Gernhardt: „Die Falle“.

Die FalleDas gutbürgerliche Ehepaar Lemm hat für den Weihnachtsabend den Plan, ihren Kindern den Auftritt eines Weihnachtsmanns zu bieten. Um dabei Kosten zu sparen, wendet sich Herr Lemm ans Studentenwerk, und schon bald ist ein passender Student gefunden, der sein eigenes Kostüm mitbringt und sich zudem bereiterklärt, den beiden Lemm-Kindern etwas über Weihnachten im Allgemeinen und gutes Benehmen im Besonderen zu erzählen (so ein bisschen mit der Rute drohen kann dabei nicht schaden, meint Herr Lemm, aber natürlich nur im Scherz). So weit, so durchgeplant.

Aber am Abend selbst läuft dann überhaupt nichts so, wie die braven Lemms sich das gedacht haben. Der Leih-Weihnachtsmann hält nicht eine einzige Absprache ein. Sohn und Tochter Lemm lobt er für ihr schlechtes Benehmen („Du widersprichst den Erwachsenen? Bravo! Bloß kein Ja-Sager werden!“), Herrn Lemms teuren Whiskey kippt er genüßlich runter, und außerdem hat er, und das war natürlich auch nicht abgesprochen, Freunde eingeladen: Nicht lange, und es stehen Kommilitonen des Weihnachtsmanns in Gestalt von Knecht Ruprecht und des Erzengels Michael vor der Lemm’schen Tür, laben sich ebenfalls am Lemm’schen Luxus, dichten zusammen mit den Kindern Weihnachtslieder um oder erklären ihnen, was Sätze aus der Weihnachtsgeschichte wie „und die war schwanger“ eigentlich heißen.

Lemms sind so entsetzt wie machtlos: Vor den Augen der Kinder den Studenten eine Szene machen? Das will man nun doch nicht riskieren …

Kaum ist es Adventszeit, tauchen jedes Jahr wieder massenweise Exemplare von „Die Falle“ in den Buchläden auf. Diesen Evergreen-Status muss man dem schmalen Bändchen einfach gönnen: Gernhardts Anti-Weihnachtsgeschichte mit schwerer Schlagseite nach politisch links ist einfach eine Wonne, rundum. Die frechen Studenten, in deren lässiger Gegenwart die zu Beginn so stillen und braven Lemm-Kinder regelrecht aufblühen, die Pein des braven Lemm senior, der es einfach nicht gebacken kriegt, Ruprecht, Erzengel und Co mitsamt ihren selbstgebastelten Flügeln und Bärten vor die Tür zu setzen – das ist einfach super.

Und nächstes Weihnachten (oder einfach als Dreingabe obendrauf) kann man dann einen Gedichtband von Gernhardt, den man ja ohnehin eher als Dichter kennt, verschenken. Meine Empfehlung: „Vom Schönen, Guten, Baren“.

Robert Gernhardt: Die Falle.
64 Seiten.
8,00
ISBN 978-3-596-15768-6
FISCHER Taschenbuch Verlag.

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