Übersicht, erzählend

Christine Nöstlinger ist gestorben …

… und das ist sehr traurig. Die Welt minus eine kluge Stimme aus Österreich. Kann sich dieses Land auch nicht wirklich leisten momentan.

Als ich noch vom Alter her zu Nöstlingers Zielgruppe zählte, mochte ich ihre Bücher nicht. Sie waren mir zu nah an meiner eigenen Realität, von der es schon mehr als genug gab. Ich las damals lieber Fantasie-Geschichten (keine Ahnung, ob es den Begriff „Fantasy“ damals schon gab).

Erst seit ich erwachsen bin, mag ich Nöstlingers Bissigkeit und das breite Grinsen in jedem Buch. Die Spießer, die Braven, die Eifrig-Normalen: Nöstlinger schreibt gegen sie an, unermüdlich, und das ist klasse.

Meine Lieblingstitel wären:

Das Austauschkind. Ewalds brave Eltern sind sehr besorgt ob der Englischkenntnisse ihres Sohnes. Um seine Aussprache zu verbessern, bestellen sie für die Sommerferien ein Austauschkind. Ewald hat darauf keine Lust, und seine wilde Schwester auch nicht. Bis Jasper aus England bei ihnen eintrifft. Jasper ist dick, isst Chips, redet wenig, wäscht sich nicht. Die Eltern: Entsetzt. Die Kinder: Begeistert. Nach und nach verschieben sich die Wertmaßstäbe in Ewalds Zuhause, immer weiter weg vom bürgerlichen Biedermeier – und hin zu immer mehr Verständnis für Jasper, der einige, traurige, Gründe hat, so zu sein, wie er ist …

Konrad oder das Kind aus der Konservenbüchse. Frau Berti Bartolotti macht, was sie will. Lebt alleine, schminkt sich bunt, hat einen Apotheker als Lover. Und pflegt ihre Leidenschaft, relativ wahllos aus Katalogen Dinge zu bestellen. Und eines Tages gibt es da eine Verwechslung: Die Post schickt Frau Bartolotti das Paket mit einer Konservendose. Darin sitzt Konrad, verschickt von einer Firma, die auf Bestellung perfekt brave Instant-Kinder ins Haus liefert. Konrad ist auch so einer. Und Frau Bartolotti muss ab jetzt irgendwie mit ihm klarkommen …

Wir pfeifen auf den Gurkenkönig. Fast wie in Kafkas „Verwandlung“ wird hier eine Familie aufgestört durchs Auftauchen eines Fremdkörpers – anders als bei Kafka allerdings kein Familienmitglied, das zum Käfer mutiert, sondern wirklich eine Kreatur von außen: Eine Gurke. Nein: Der König der Gurken! Er trägt eine Krone und weiße Handschuhe. Er redet sonderbar geschraubt, und er will nichts weniger, als dass die ganze Familie ab jetzt nach seiner Pfeife tanzt. Und diese bis dahin (nach außen) so perfekte Familie steht bald völlig kopf angesichts dieser gurkigen Herausforderung …

 

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